Die Bierkonzerne Heineken und Carlsberg wollten sich eine bestimmte Gerstenart patentieren lassen – mit Erfolg. Wir haben uns den Konflikt um die Gerste genauer angesehen.

Das deutsche Reinheitsgebot besagt: Bier wird aus Wasser, Hopfen, Hefe und Malz gebraut. Beim Malz handelt es sich in der Regel um Gerstenmalz. Malz wird als Körper des Bieres bezeichnet und ist für den Geschmack verantwortlich, sagt Elisa Raus. Sie ist Expertin für Bier-Geschmack und arbeitet als Bier-Sommelière bei einer Brauerei in Stralsund.

Allein in Europa gibt es rund 50 verschiedene Gerstensorten. Von diesen Sorten benutzen die großen Bierbrauer nur einige wenige, sagt Walter König. Er ist selbst Brauer und Geschäftsführer der Braugersten-Gemeinschaft.

"Es sind um die fünf, sechs, auf die sie sich fokussieren. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass sie die Vielfalt nicht wollen."
Walter König, Brauer und Geschäftsführer der Braugersten-Gemeinschaft

Gerstenvielfalt sei für die Brauer ein logistisches und damit ökonomisches Problem, sagt Walter König. Die Lagerung vieler verschiedener Gerstensorten in großen Mengen sei schwierig und aufwendig.

Eine wohlschmeckende, patentierte Gerste

Jetzt wird die Auswahl für Brauer wohl noch etwas kleiner: Denn die beiden großen Braukonzerne Carlsberg aus Dänemark und Heineken aus den Niederlanden haben sich ein Patent auf eine bestimmte Gerstensorte gesichert. Sie ist so gezüchtet, dass beim Brauen möglichst wenig unangenehmer Nebengeschmack entsteht. Diese Gerstensorte mit der Patentnummer EP2373154 haben die beiden Braukonzerne nun exklusiv für sich reserviert.

"Dann sind auch Brauereien von diesem Markt ausgeschlossen, es ist eben ein Monopol."
Walter König, Brauer und Geschäftsführer der Braugersten-Gemeinschaft

Patente auf Pflanzensorten sind in der EU grundsätzlich verboten. Patentieren lassen sich solche Züchtungen eigentlich nur, wenn sie durch gentechnische  Veränderungen entstanden sind. Die nun patentierte Gerstensorte ist zwar nicht gentechnisch verändert, aber mit einer bestimmten, chemisch-technischen Methode gezüchtet – und deswegen sagt das Europäische Patentamt sinngemäß: Das ist so ähnlich wie eine Erfindung und erlaubt das Patent von Carlsberg und Heineken.

Einschränkungen für Züchter

Christoph Then arbeitet für die Initiative No Patents on Seeds. Sie plant, Beschwerde gegen die Entscheidung des Europäischen Patentamts einzulegen. Das sei auch im Sinne von Gemüse-Essern und Biertrinkern. Christoph Then sagt, die Gefahr sei nicht nur, dass kleinere Brauereien dann andere Gerste für ihr Bier benutzen müssen, sondern auch, dass die Pflanzenzüchtung insgesamt eingeschränkt werde.

"Andere Züchter dürfen nicht mehr weiterarbeiten daran. Die Grundlagen der Ernährung, die Züchtung von neuen, besseren Pflanzensorten, kann durch derartige Patente ganz wesentlich verhindert und sogar blockiert werden."

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