Alkohol und Aufmerksamkeit passen nicht so zusammen. Diese Erfahrung dürften viele von uns schon gemacht haben. Forschende haben jetzt erstmals die Ursache für unsere eingeschränkte Aufmerksamkeit unter Alkoholeinfluss herausgefunden.

Was Alkohol genau mit unserem Gehirn macht, hat ein internationales Forschungsteam in einer Studie mit Mäusen untersucht. Dazu verfolgten sie live die Gehirnströme der Mäuse unter Alkoholeinfluss.

Ihre Erkenntnis: Wenn wir Alkohol trinken, dann verhindert dieser den Prozess die Ausschüttung von Noradrenalin. Das hilft unserem Gehirn normalerweise dabei, aufmerksam zu bleiben, indem es an bestimmte Zellen im Kleinhirn andockt, sie aktiviert und diese daraufhin Calcium produzieren.

Wie stark der Prozess blockiert wird, hängt von der Dosis ab: Je betrunkener man ist, desto schlechter ist auch die Konzentration, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin Ruskowski.

"Wie stark Alkohol diesen Prozess blockiert, ist abhängig von der Dosis: Also je betrunkener, desto schlechter die Konzentration."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Nach ein paar Stunden lässt die Hemmung dann wieder nach und der Noradrenalin-Konzentrations-Mechanismus funktioniert wieder normal.

Kein Zusammenhang zwischen Motorik und Aufmerksamkeit

Der gehemmte Prozess habe laut der Forschenden aber nichts damit zu tun, dass wir im betrunkenen Zustand oft schwanken oder generell motorisch nicht ganz bei der Sache sind. Denn das Calciumlevel in den Helferzellen im Kleinhirn beeinflusse die motorischen Fähigkeiten nicht. Das konnten sie auch am Experiment mit den Mäusen erkennen. Auch sie liefen unter Alkoholeinfluss anders in ihren Laufrädern, aber als sie wieder normal laufen konnten, war das Calciumlevel in den Helferzellen im Kleinhirn immer noch niedrig.

"Der Effekt auf die Aufmerksamkeit hielt länger an als die motorischen Schwierigkeiten."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Diese Erkenntnis war auch für die Forschenden überraschend, da das Kleinhirn normalerweise auch für die Motorik zuständig ist, erklärt Kerstin Ruskowski.

Erstmals an Säugetieren erforscht

Doch sind die Erkenntnisse über betrunkene Mäuse auch wirklich auf uns zu übertragen? Laut der Forschenden seien die Vorgänge im Gehirn im Prinzip die gleichen. Zudem sei die Studie bedeutend, da zum ersten Mal der Zusammenhang zwischen Noradrenalin und den Helferzellen im Kleinhirn in Säugetieren nachgewiesen wurde.