Ein Index, der klärt, welche Staaten sich moralisch vertretbar verhalten - klingt spannend, hält einer genaueren statistischen Überprüfung allerdings nicht stand.

Gut sein. Das wollen wir doch alle irgendwie. Oder zumindest will keiner böse sein. Auch Staaten sollten sich theoretisch gut, also moralisch vertretbar verhalten - nur: Wie stellt man das fest? Das geht doch gar nicht. Geht doch - behauptet der Good-Country-Index. In den Index fließen 35 verschiedene Ländervergleiche und Indikatoren ein, die meist von den UN und anderer Nichtregierungsorganisationen stammen.

"Der Good-Country-Index ist keine statistische Meisterleistung."
Katharina Schüller, Statistikerin

Aus solchen Indikatoren wird eine Skala gebildet - etwa zum Weltfrieden oder zum fairen Welthandel. Der Mittelwert aus diesen Skalen bildet dann den Good-Country-Index. Allerdings wird am Ende noch durch das Brutto-Inlands-Produkt geteilt. So soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Staaten unterschiedlich wirtschaftlich stark sind. Das Problem am Index: Er suggeriert eine Genauigkeit, die es so gar nicht gibt, sagt unsere Statistikerin Katharina Schüller. Mittelwerte dürfe man nämlich nur bilden, wenn die Abstände auf allen Skalen gleich groß sind. Bei Rangfolgen ist das allerdings fast nie der Fall.

Katharina Schüller hält wenig von den Methoden der Index-Macher: "Das Problem ist, dass die 35 Indikatoren nicht unabhängig sind. Wer in einem gut abschneidet, hat anderswo fast automatisch das Nachsehen. Ein wirtschaftlich starkes Land hat oft eine starke Rüstungsindustrie, kann aber auch viele Güter und Geld an ärmere Länder spenden." Verkürzt gesagt: Je höher das internationale Engagement eines Landes, desto mehr moralische Probleme können auftreten.

Und was kommt beim Index jetzt heraus? Irland liegt in moralischer Hinsicht weltweit ganz vorne - Deutschland im Mittelfeld.