Da haben die Finnen aber laut Hurra geschrien. Die neue konservative Regierung sagt: "Wir starten das Experiment mit dem Grundeinkommen." Aber wer will denn dann noch arbeiten gehen?

Das klingt erst mal super. Gleiches Geld für alle. Bedingungslos. So viel, dass man gut davon leben kann. Den Finnen muss es ja echt gut gehen. Aber Moment. Gucken wir genauer drauf, dann könnte die Idee mit dem Grundeinkommen auch eine Mogelpackung sein, und gerade für Bedürftige nach hinten losgehen. Erst einmal: Genaues geplant ist noch nichts. Die Regierung hat aber in den Koalitionsvertrag geschrieben:

"Wir wollen das Experiment mit dem Grundeinkommen starten."
Sinngemäße Aussage der finnischen Regierung im Koalitionsvertrag

Diese Botschaft ist in den sozialen Kanälen völlig durch die Decke gegangen. Bei Twitter zum Beispiel unter dem Hashtag #perustulo.

Mit dem Grundeinkommen bleiben doch alle zu Hause

Kritiker des Grundeinkommens haben viele Argumente. Sie fürchten, dass Unternehmen es dazu verwenden könnten, die Löhne weiter zu kürzen. Ein weiterer Einwand ist, dass das Grundeinkommen für die finnische Regierung eine Art Deckmantel für Sozialabbau sein könnte; frei nach dem Motto: "Jetzt habt ihr ja alle ein Grundeinkommen, jetzt kürzen wir alle Hilfen für die Schwachen." Und dann das Totschlag-Kontra-Argument: Dann geht doch keiner mehr arbeiten. Das sieht unsere Autorin anders.

"Arbeit ist ja auch Anerkennung, Selbstverwirklichung und soziale Integration. Also, es ist nicht nur das Geld, das die Menschen dazu bringt, arbeiten zu gehen."
Sandra Pfister

Das Grundeinkommen macht eine gerechte Gesellschaft

Gleiches Geld für alle - da geht den Befürwortern des Grundeinkommens das Herz auf. Es klingt nach großer Gerechtigkeit. Sie hoffen, dass mehr Menschen einen niedrig bezahlten Job machen, um sich etwas hinzuzuverdienen. Auf der anderen Seite könnten die Menschen auch bessere Bezahlung einfordern, weil sie mit dem Grundeinkommen nicht mehr so abhängig wären. Und Zustimmung kommt natürlich auch aus der Ecke, die Arbeit an sich schlecht findet, weil fremdbestimmt. Die wären mit dem Grundeinkommen auch zufrieden.

In Deutschland wird es ein Grundeinkommen nicht geben

Wenn man mal von etwa 1000 Euro Grundeinkommen ausgeht, dann müsste der Deutsche Staat pro Jahr 960 Milliarden Euro berappen. Schwierig - bei einem durchschnittlichen Haushalt von 300 Milliarden. Auch wenn gegengerechnet Bund und Länder eine ganze Menge einsparen würden. Etwa durch Hartz IV, einen Teil der Rente, Elterngeld, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Bafög. Das würde dann alles nicht mehr gezahlt oder gestrichen werden.