Mehr als eine Milliarde Seevögel auf der Welt scheißen täglich ziemlich viel. Der Kot, Guano genannt, ist ein wertvoller natürlicher Dünger.

Bis vor Kurzem war nicht bekannt, wie viel Guano jährlich auf der Welt zusammenkommt. Die Forscher interessieren sich vor allem für die Nährstoffe, die im Kot enthalten sind – in dem Fall Stickstoff und Phosphor. Das sind Elemente, die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Im Fachmagazin Nature Communications haben Wissenschaftler ihre Berechnung veröffentlicht. Seevögel produzieren jedes Jahr:

  • knapp 600.000 Tonnen Stickstoff
  • knapp 100.000 Tonnen Phosphor

Das ist die Menge, die sie an Land lassen. Tatsächlich scheiden sie noch mehr aus, was aber beispielsweise einfach im Meer versinkt. Die Seevögel sind damit Nährstoffumwälzer: Sie fressen Fische und andere Tiere aus dem Meer, entziehen ihm somit Stickstoff und Phosphor, scheiden aber ihre Exkremente an Land aus und exportieren sozusagen die Nährstoffe aus dem Meer ans Land. Um zu verstehen, in welcher Größenordnung das stattfindet: Die Nährstoffmenge entspricht ungefähr der, die wir Menschen über Fischfang dem Meer entziehen.

Den meisten Guano produzieren übrigens Goldschopfpinguine, gefolgt von anderen Pinguinarten. Der banale Grund: Pinguine sind im Vergleich zu anderen Seevögeln recht groß. Aber auch Eissturmvögel, Kormorane und Trottellummen scheiden viel Kot aus. 

Viel Guano kann dem Klima helfen

Das Beste daran: Die Vogelscheiße trägt dazu bei, den Klimawandel in Schach zu halten. Guano dünstet reichlich Ammoniak aus. In der Atmosphäre angekommen, unterstützt es die Wolkenbildung und kann somit helfen, die Arktis rund um den Nordpol etwas kühler zu halten. Das haben Forscher aus Kanada und den USA 2016 herausgefunden.

Guano-Hype in Zeiten des Kolonialismus

Auch in der Vergangenheit war der nährstoffreiche Guano ziemlich nützlich: In Peru wurde der Guano traditionell als Dünger auf den Feldern ausgebracht. Denn vor der Küste Perus liegen einige Inseln, wo Guanokormorane brüten. Die Vogelscheiße türmte sich bis zu 30 Meter hoch auf, weil es dort kaum regnet. 

Der Forschungsreisende Alexander von Humboldt hat das beobachtet und Guano in seinem Reisegepäck mit nach Europa gebracht. Das hat damals einen regelrechten Guano-Hype ausgelöst. Auch westliche Nationen wollten das "weiße Gold" haben, um ihre Bevölkerung zu ernähren.

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Die USA haben sich beispielsweise gleich ein paar Guano-Inseln unter den Nagel gerissen. Dafür haben sie extra den "Guano Island Act" 1856 erlassen. Mehr als 100 Inseln im Pazifik und der Karibik sind so in das Territorium der USA übergegangen. 

Aus diesen ausbeuterischen Kolonialbestreben ist aber heute auch etwas Gutes rausgekommen: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat 2014 das Gebiet rund um einige dieser Guano-Inseln mitten im Pazifik zu Schutzgebieten erklärt, wodurch eins der größten Meeresschutzgebiete weltweit entstanden ist.

Der Guanohype war übrigens - wie viele andere Hypes - recht kurzlebig. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es den deutschen Chemikern Fritz Haber und Carl Bosch, Dünger aus Luftstickstoff herzustellen – was viel billiger und einfacher war, als den Guano aus dem Ausland zu importieren. Der Kunstdünger hat den Guanodünger abgelöst. Heute wird nur noch wenig Guanodünger eingesetzt.

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