Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist 2023 zurückgegangen. Dabei gibt es genug Krisen. Womöglich sind Viele mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt, sagt Sozialpsychologin Janina Steinmetz.

Der Spendenrat erwartet bis Jahresende rund fünf Milliarden Euro an Spendeneinnahmen. 2022 waren es noch 5,7 Milliarden Euro. Damit pendelt sich die Bereitschaft, etwas zu geben, etwa auf dem Niveau von vor der Coronapandemie ein.

Humanitäre Katastrophen bewegen die Menschen

Wenn wir spenden, treibt uns der Altruismus an. Das heißt, wir geben selbstlos Geld, weil wir den Schmerz etwas reduzieren wollen, den wir empfinden, wenn wir Fotos von Katastrophen sehen oder Radiobeiträge darüber hören, so die Sozialpsychologin Janina Steinmetz.

Denn wenn Menschen von humanitären Katastrophen erfahren, würden sie grundsätzlich Empathie empfinden. Doch bei vielen Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder auch Kriegen können Menschen nicht viel tun. Spenden sei dann oft das einzige, was bleibt, so die Sozialpsychologin. Das helfe, um das Gefühl zu haben, zumindest etwas für die Menschen in Not und/oder Gefahr tun zu können.

"Spenden ist dann [wenn uns eine humanitäre Katastrophe nahegeht] das einzige, was wir machen können."
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin

Dass 2023 im Schnitt weniger gespendet wurde als 2022, liege nicht daran, dass wir weniger Empathie empfinden.

Viele Menschen hätten mehr Sorgen im Alltag, auch finanzielle Sorgen durch die Inflation. "Dann ist es schwieriger, Empathie in Handlung umzusetzen", sagt Janina Steinmetz.

Die Älteren spenden im Schnitt mehr

Blickt man auf die Altersgruppen der Spender*innen, sind es im Durchschnitt eher ältere Menschen, die am meisten geben. Vor allem die über 70-Jährigen, so Janina Steinmetz. Das könne auch daran liegen, dass viele auch in der Rente einen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen.

"Die über 70-Jährigen sind die, die am meisten spenden."
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin

Wenn wir spenden wollen, dann sei es sinnvoll, sich für eine stetige Unterstützung zu entscheiden. Für die Hilfsorganisationen bedeute das mehr Planungssicherheit, so Janina Steinmetz. Häufig steige die Spendenbereitschaft bei einer humanitären Katastrophe, weil diese natürlich besonders viel mediale Aufmerksamkeit bekommt. Aber es gehe auch um langfristige Hilfe, zum Beispiel um den Bau von Schulen oder Krankenhäusern.

Shownotes
Gutes tun
Warum manche Menschen spenden und andere nicht
vom 16. Dezember 2023
Moderator: 
Thilo Jahn
Gesprächspartnerin: 
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin