Menschen mit Glatze können wieder hoffen: Forscher aus den USA haben es geschafft, erwachsene Haut dazu zu bringen, neue Haare zu bilden. Noch wird die Methode an Mäusen getestet.

Männer und Frauen bekommen aus den verschiedensten Gründen eine Glatze: Meist sind eine Krankheit oder Hormone schuld, manchmal hatten sie einen schweren Unfall und kämpfen mit Vernarbungen der Haut. Sie alle vereint, dass die Haut, an denen normalerweise Haare wachsen, keine funktionierenden Haarfollikel mehr hat.

"Ohne diese Follikel kann auch kein Shampoo der Welt wieder Haare herbeizaubern."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Haarfollikel sind Mini-Organe, die Haare herstellen – also die Voraussetzung, damit Haare überhaupt an einer Hautstelle wachsen können. Sind keine Haarfollikel mehr in der Haut vorhanden, nützt auch kein Haarwuchsshampoo, wie wir es im Drogeriemarkt finden können.

Sonic Hedgehog-Pathway soll Bildung von Haarfollikeln anregen

Eine bahnbrechende Lösung gegen Glatzen fehlte also bisher: Bei einer Studie an Mäusen haben US-Forscher nun einen Weg gefunden, wie sie Haut dazu bringen können, neue Haarfollikel zu bilden. Dabei gingen sie davon aus, dass die Haut grundsätzlich die Eigenschaft hat, Haarfollikel bilden zu können. Denn die meisten Menschen hatten mal Haare, bevor sie eine Glatze bekamen: Die entsprechenden Haarfollikel hat die Haut schon beim Embryo im Mutterleib gebildet. 

Die Forscher haben sich auf den Sonic-Hedgehog-Pathway fokussiert. Das ist ein Kommunikationskanal, über den die Zelle erfährt, welche Gene sie in ihrem Erbgut aktivieren soll. Der Sonic-Hedgehog-Pathway aktiviert also auch die Embryo-Gene, die für die Ausbildung von Haarfollikeln zuständig sind. Bei erwachsenen Menschen ist dieser Kommunikationskanal stillgelegt – aber funktioniert theoretisch noch. Die Forscher haben das Haarwachstum der Mäuse über diesen Kanal angeregt.

"Bei bestimmten Hautkrebsarten hat man beobachtet, dass er aktiv war. Was vielleicht auch erklärt, warum der Körper normalerweise diesen Kanal nicht mehr benutzt und warum man bis jetzt mit diesem Kommunikationskanal nicht experimentiert hat."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Dass der Sonic-Hedgehog-Pathway theoretisch noch funktioniert, ist bekannt, weil dies bei bestimmten Hautkrebsarten beobachtet werden konnte – was wohl auch die Erklärung dafür ist, warum unser Körper den Kanal normalerweise nicht mehr nutzt: In der Forschung wurde daher bisher davon ausgegangen, dass die Kommunikation über den Sonic-Hedgehog-Pathway das Wachstum von Tumoren anregt.

Nebenwirkungen der Technik sind noch nicht einschätzbar

In dem US-amerikanischen Experiment hatten die Mäuse, bei denen das Haarwachstum angeregt wurde, aber keinen Krebs. Die Forscher glauben, dass sie das unterbinden konnten, weil sie den Sonic Hedgehog Kanal nur in bestimmten Hautzellen angeregt haben: den Fibroblasten. 

Diese Zellen, die Fibroblasten, sitzen in derselben Hautschicht, in der die Haarfollikel sitzen – sie können die Follikel bilden. Fibroblasten bilden außerdem das Bindegewebe, aus dem Narben bestellen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Technik eventuell zusätzlich bei Narben angewendet werden könnte.

"Im Prinzip ist es so, dass diese genetischen Mechanismen bei Mäusen und Menschen die gleichen sind."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Wichtig ist aber auch: Das waren Experimente an Mäusen. Wie lange es dauert, bis aus diesen Erkenntnissen eine sinnvolle und unschädliche medizinische Behandlung entwickelt werden kann, ist schwer zu sagen. Grundsätzlich ist es so, dass genetischen Mechanismen bei Mäusen und Menschen gleich sind. Daher sollte das Verfahren auch beim Menschen funktionieren – aber erst müssen alle langfristigen Nebenwirkungen gründlich erforscht werden.

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