Vor zwei Jahren haben wir Klopapier gehamstert, jetzt ist es Pflanzenöl. Kommen neue Risiken auf uns zu, gucken wir auf das Verhalten der anderen und machen es ihnen gleich. Oft löst ein voller Einkaufswagen aber nicht das eigentliche Problem.

In einigen Supermärkten hängen sie wieder: Schilder, die darauf hinweisen, dass wir Mehl, Pflanzenöle, Nudeln oder Margarine nur rationiert einkaufen können. Es geht wieder ans Hamstern. Dieses Mal nicht wegen der Coronavirus-Pandemie, sondern wegen dem Krieg in der Ukraine.

Beide Krisen haben eins gemeinsam: Sie verunsichern uns. Über das Hamstern haben wir hingegen den Eindruck, die Kontrolle über unser Leben zurückzubekommen, sagt Konsumentenpsychologin Janina Steinmetz. Es ist eine Kompensation.

"Menschen haben das Bedürfnis, ihr Leben, ihren Alltag zu kontrollieren. Eine Krise wirft uns aus der Bahn."
Janina Steinmetz, Konsumentenpsychologin

In Krisen kopieren wir unser Umfeld

Hamsterkäufe haben auch einen selbstverstärkenden Effekt. Wenn wir sehen, wie andere Menschen kiloweise Mehl kaufen, kopieren wir ihr Verhalten blind getrieben von der Annahme, die anderen hätten einen Wissensvorsprung, weil sie zum Beispiel besser informiert seien.

In diesem Fall verlassen wir uns also nicht auf die Fakten, sondern beobachten unser Umfeld. Wenn wir zusätzlich Bilder von Hamsterkäufen sehen, bestärkt das unsere Annahme. "Wir wollen nicht der Dumme sein. Ich will nicht diejenige sein, die am Ende nichts hat, während alle ganz schlau ihre Vorräte aufgefüllt haben", erklärt die Konsumentenpsychologin. Und damit werden wir Teil des Problems.

Worum geht es wirklich?

Zumal uns die Coronavirus-Pandemie gezeigt hat, dass auch leere Regale nach kurzer Zeit wieder aufgefüllt sind. Oder es im Zweifelsfall andere Produkte gibt, auf die wir zurückgreifen können, statt unser Lieblingsmüsli zu löffeln.

Damals wie auch heute betont der Handel, dass Versorgungsengpässe unwahrscheinlich seien. Christian Böttcher, der Sprecher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), hat Kund*innen darum gebeten, solidarisch zu sein und weiter in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen. Unter #Hamstern oder #Sonnenblumenöl posten auch Supermärkte auf Social Media Bilder ihrer gefüllten Regale.

"Wenn man denkt, ich möchte jetzt hamstern, sollte man sich die Frage stellen: Worum geht es mir wirklich?"
Janina Steinmetz, Konsumentenpsychologin

Statt eine Flasche Öl nach der nächsten in den Einkaufswagen zu stellen, empfiehlt die Konsumentenpsychologin, sich erst zu fragen, worum es uns eigentlich geht: "Habe ich tatsächlich zu wenig Lebensmittel? Oder geht es mir darum, ein vermeintliches Sicherheitsgefühl herzustellen?"

Im nächsten Schritt helfe es sich zu fragen, wie wir den Ängsten begegnen können. Geht es tatsächlich um die Lebensmittel, könnte es beruhigend sein zu wissen, dass Freundinnen oder Nachbarn einem aushelfen. Ist es hingegen die Angst vor der Krise oder einer neuen Gefahr, bringt die Flasche Sonnenblumenöl langfristig gesehen nichts. Hier könne es helfen, mit anderen Menschen über die Sorgen zu sprechen, Gemeinschaften zu bilden und anderen zu helfen.