Der Verkauf von legalem Hanf nimmt in Nordamerika Fahrt auf. Besonders kanadische Firmen sind im Markt aktiv und wollen nun auch Europa erobern. Dabei spielt Deutschland eine zentrale Rolle.

In Leipzig hat gerade Sachsens erster Cannabis-Shop eröffnet. Produkte, die eine rauschhafte Wirkung haben, gibt es dort nicht, sagt der Betreiber. Im Angebot sind stattdessen Kosmetik, Öle oder Schokoladen, die mit Substanzen aus Cannabis und dem Wirkstoff Cannabidiol versetzt sind. Aber trotzdem zeigt auch diese Shop-Eröffnung: Hanf kommt in Deutschland an.

Seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland legal. Der Deutsche Hanfverband schätzt, dass es heute inzwischen 20.000 Kassenpatienten gibt, die eine Behandlung mit Cannabis erstattet bekommen. Vor allem die Schmerzen von Schwerkranken können mit aus Hanf gewonnenem Marihuana gelindert werden. Aber auch der Wirkstoff Cannabidiol soll schmerzlindernd und entzündungshemmend sein - und macht dabei nicht high.

Kanada will deutschen Hanfmarkt erobern

Deutschland ist also ein noch junger Markt für Hanfprodukte, und darauf haben viele internationale Unternehmen einen Blick geworfen. Vor allem Kanadier wollen bei uns durchstarten; drei große Firmen gibt es dort, die den Markt unter sich aufteilen. Für diese Unternehmen soll Deutschland sozusagen das Tor zu Europa werden, so Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband.

"Für die kanadischen Unternehmen geht es darum, in den deutschen und europäischen Markt rein zu kommen. Die sehen da ganz viel Wachstumspotenzial."

Georg Wurth versucht, die Politik davon zu überzeugen, Hanf zu legalisieren, eben nicht nur für medizinische Zwecke. Auch die Unternehmen bereiten sich auf den Tag vor, an dem sie ihre Produkte in Deutschland verkaufen dürfen. Sie bauen die Infrastruktur auf, errichten Fabriken, stecken Millionen von Euro in die Hanfproduktion in Deutschland: "Dadurch entstehen bereits Arbeitsplätze."

Aktuell wird Hanf in Deutschland zu 100 Prozent importiert, in den nächsten ein, zwei Jahren sollen aber 2,6 Tonnen Hanfblüten in Deutschland angebaut werden. "Die kleinen Mengen sind für die eigentlich ein Witz", sagt Georg Wurth, "aber es geht darum, jetzt in den Markt hinein zu kommen".

"Wenn es nur um die Hanfblüten in der Apotheke geht, reden wir von einem Umsatz von 100, 200 Millionen Euro. Das wird aber bald die Milliardengrenze knacken."

Nach Ansicht des Hanflobbyisten hat Deutschland einen wertvollen Vorsprung verspielt: "Wenn wir vor zwei Jahren angefangen hätten mit dem Anbau, hätte Deutschland der Standort für Cannabis als Medizin in Europa werden können." Jetzt geht es nur langsam voran, sagt Georg Wurth, jetzt bauen andere Länder große Kapazitäten auf. Und Deutschland ist erst mal nur Absatzmarkt, kein Produzent und Exporteur.

Doch das Potenzial sieht er immer noch als riesig an: Allein der medizinische Markt liege derzeit bei 100 bis 200 Millionen Euro. "Das wird aber bald die Milliardengrenze knacken", sagt Georg Wurth und gibt als Beispiel die USA an: Dort gebe es Milliardenumsätze und in den nächsten Jahren werden dort bis zu 300.000 Arbeitsplätze geschaffen.

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