Hasnain Kazim ist Journalist. Täglich bekommt er Leserpost - oft hasserfüllt. Er wird als "Hurensohn", "Verräter" oder "von Merkel gesteuert" beschimpft. Er beschließt, trotzdem zu antworten. 

Miese Post ist Hasnain Kazim gewohnt. Leserpost. Denn Hasnain ist Journalist - und Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer. Er schreibt für Spiegel und Spiegel Online, derzeit in Wien, war Auslandskorrespondent in Pakistan und der Türkei. Seine Themen sind Islamismus, Nationalismus, Patriotismus - ziemliche Aufregerthemen. Nach einem Artikel bekommt er hunderte, manchmal auch über tausend Mails.

Hasnain Kazimr hat versucht, darüber zu lachen. Doch das gelingt ihm nicht immer. Denn viele der Mails sind zwar haarsträubend oder absurd, aber eben auch widerwärtig und erschreckend, wie er findet.

Ihm schreiben Neonazis oder Islamisten oder einfach Leute, denen seine Meinung nicht passt. In seinem Buch erzählt er davon. Es heißt: "Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen - und was ich ihnen antworte".

"Ich habe die Hoffnung, dass es was bringt."

Früher hat Hasnain Kazim überhaupt nicht auf Hasspost geantwortet. "Aber es hieß ja immer, man soll mit diesen Leuten reden". Also hat er vor zwei Jahren angefangen, dem einen oder anderen zurückzuschreiben. Und zwar auf eine "zugewandte Art" - manch einer habe ja durchaus berechtigte Kritik. Manchmal erreicht er die Leute so. Manchmal schimpfen sie einfach weiter. Dann habe es keinen Sinn.

"Niemand sollte schweigen. Denn, wenn man schweigt, bekommen sehr viele Menschen das Gefühl, das sei okay, was sie da schreiben oder sagen."
Hasnain Kazim, Journalist

Plötzliche Entschuldigungen

Wut und Hass, meint Hasnain Kazim, gab es schon immer. Nur im Netz lässt er sich einfacher verbreiten und bekommt mehr Resonanz. "Es ist keine Schande mehr, rassistisch, fremdenfeindlich, menschenverachtend zu sein. Im Gegenteil, diese Leute sind stolz darauf und werden dafür auch noch von vielen gefeiert", schreibt er im Buch.

"Die Kommunikation im Netz hat es leicht, vielleicht zu leicht gemacht, seiner Wut freien Lauf zu lassen."
Hasnain Kazim in seinem Buch "Post von Karlheinz"

"Huch, ich wusste gar nicht, dass das jemand liest" oder "Tut mir leid, ich war betrunken": Es kommt vor, dass sich Hater mit Worten wie diesen bei Hasnain Kazim entschuldigen, nachdem er mit ihnen in Kontakt getreten ist. Leider sei das selten. Viel öfter fühlten sich Leute bestätigt oder aufgewertet, wenn sie eine Antwort bekommen und wüten weiter.

"Es gibt heute sehr viele Briefe, die voller Hass sind, voller Drohungen und Beleidigungen, und da schreiben die Leute ohne Scham ihren Namen und ihre Adresse drunter."
Hasnain Kazim, Journalist

Es gibt eine rote Linie

Wir alle machen Fehler, meint Hasnain. Und prinzipiell habe jeder die Chance verdient, sie wiedergutzumachen. Andererseits gebe es aber auch einen Punkt, an dem man sagen muss: So geht es nicht! Menschen sollten für ihre Worte zur Verantwortung gezogen werden, auch juristisch. Wir hätten gesellschaftlich schon viel zu lange akzeptiert, dass jede Meinung irgendwie gerechtfertigt sei.

"Wenn mir jemand schreibt: 'Man müsste dich aufhängen' oder 'in den Gasofen schicken', dann möchte ich den Graben nicht zuschütten. Sondern das sind Leute, die möchte ich ausgrenzen, politisch bekämpfen, machtlos halten."
Hasnain Kazim, Journalist

Anstand, Freundlichkeit, Recht - das ist es, was Hasnain Kazim einfordert. Eine Meinung darf jeder haben, sagt er, auch, wenn sie unbegründet und haarsträubend ist. Wir alle müssten aber wieder mehr darauf achten, Grenzen zu ziehen und aufzuzeigen - auch ganz privat, beispielsweise im Freundeskreis oder der Familie und den Streit und Diskussion nicht scheuen.

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