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Sie sind einzigartig - Fingerabdrücke. Deswegen werden sie von nun an auch auf Personalausweisen in der EU und Deutschland Pflicht. Hautarzt Thomas Mayer erklärt, wie Fingerabdrücke entstehen und unter welchen Umständen sie sich verändern können.

Jeder Fingerabdruck ist individuell – davon zumindest geht die Medizin bis heute aus. Zumindest seien bisher noch keine zwei gleichen Fingerabdrücke gefunden worden, sagt Hautarzt Thomas Meyer.

Fingerabdrücke: einzigartig, aber nicht unveränderbar

Fingerabdrücke heißen bei Medizinern Papillarleisten. Sie befinden sich überall auf unserem Körper auf der obersten Hautschicht. An den Finger sind sie besonders ausgeprägt, erklärt Hautarzt Thomas Mayer. Meist hat die Papilarstruktur ein feines, gewundenes linien- oder bogenhaftes Muster.

"Sogar eineiige Zwillinge, die ja ein identisches genetisches Material haben, haben unterschiedliche Fingerabdrücke."
Thomas Meyer, Hautarzt

Hautarzt über Einzigartigkeit des Fingerabdrucks

Die Fingerabdrücke entstehen sehr früh in der Entwicklung eines Menschen. "Bei einem Embryo beginnt die Haut ungefähr ab dem fünfzehnten Tag der Entwicklung zu entstehen." Schon dann beginne auch die Hautstruktur sich zu formen, erklärt Thomas Meyer. Wie sich die Fingerabdrücke ausformen, hänge zum einen von der Genetik ab, aber auch von der Ernährung der Mutter.

"Je besser sich eine Mutter ernährt, desto besser entwickelt sich das Kind. Das gilt fürs Gehirn wie alle anderen Organe und natürlich die Haut."
Thomas Meyer, Hautarzt

Rückschlüsse über unseren gesundheitlichen Zustand könne man über die Fingerabdrücke allerdings nicht ziehen, so Thomas Mayer, aber eben eindeutig auf die Identität eines Menschen.

Neue Personalausweise in der EU nur noch mit Fingerabdrücken

Der Fingerabdruck wird daher in der Strafverfolgung benutzt. Seit August 2021 ist er verpflichtend auf allen neuen Personalausweisen in Deutschland. Seine Einführung geht auf eine EU-Verordnung zurück und soll als Sicherheitsmerkmal dienen, also den Ausweis auf der einen Seite fälschungssicher machen, auf der anderen die Identität eines Menschen eindeutig feststellbar machen.

Isabel Reifenrath (DLF-Hauptstadtstudio) über die neuen Personalausweise, die ab August 2021 nur noch mit Fingerabdrücken ausgestellt werden. Das ganze Gespräch dazu ist hier zu hören.
"Datenschützer geben zu bedenken, dass man zum Beispiel als politisch Verfolgter seine Identität nicht mehr einfach so aufgeben kann. Ein neuer Name ist möglich, vielleicht auch eine optische Veränderung und damit ein neues Foto, aber den Fingerabdruck, den kann man nicht abgeben."

In der Theorie sei der Sicherheitsaspekt nachvollziehbar, meint Thomas Meyer, in der Praxis müsse das nicht immer so einwandfrei laufen. Denn Fingerabdrücke können sich verändern, so der Hautarzt, zum Beispiel nach einer medizinischen Behandlung oder der Einnahme starker Medikamente.

"Bei Menschen, die eine Chemotherapie hatten oder die ihre Hände lange Zeit mit Cortison eincremten, können sich die Fingerabdrücke verändern."
Thomas Meyer, Hautarzt

Bei einer Passkontrolle, so Thomas Meyer, könnte das mitunter zu Problemen führen. Obwohl dann der richtige Passbesitzer vor dem Kontrollierenden steht, reagiert der Computer, weil der Fingerabdruck im Personalausweis nicht dem aus der Realität entspricht.