Jule ist Hebamme und damit systemrelevant. Ihr Mann ist es auch – und daheim warten zwei Kinder im Kita-Alter. Zeit zum Durchatmen hat Jule gar keine mehr. Auf Instagram machte sie sich Luft.

Anfang März fängt Jule Tilgner (nicht im Foto zu sehen) wieder an, regelmäßig Krankenhausschichten als Hebamme zu machen. Kurz darauf fängt die Corona-Krise an, und überall – besonders im Gesundheitssektor – herrscht Verunsicherung. Auch bei Jule und ihrer Familie.

Systemrelevant und Mutter: Wenn die Auszeit fehlt

Ihr Mann arbeitet auch im Krankenhaus und betreut Corona-Erkrankte – "wenn es hier wirklich schlimm wird, dann wird er davon ganz direkt betroffen sein", schildert Jule. Schon bald müssen ihre zwei Kinder im Kita-Alter in die Notbetreuung. Das ganze Familienleben muss neu organisiert werden.

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Mehr als vier Wochen lang funktioniert Jule einfach nur noch, wie sie selbst beschreibt. Einen Moment für sich alleine bekommt sie gar nicht mehr. "In dieser Corona-Krise ist es so, dass wir nur das geschafft haben, was wirklich wichtig war: Arbeiten, Kinder irgendwie ernähren, und ihnen Aufmerksamkeit schenken. Alles darüber hinaus war schlichtweg nicht möglich."

"Vier Wochen Corona-Krise – und ich war einfach am Ende."
Jule Tilgner

Zeit fürs Sport machen, für Jules andere berufliche Projekte oder auch einfach für die Beziehung zu ihrem Mann gab es keine – "da ist einfach gar nichts möglich gewesen", beschreibt sie. Baldige Verbesserung sieht die Hebamme nicht. "Wir sind wirklich einfach nur: Arbeit, Kinder ins Bett, aufstehen und dann wieder von vorne."

"Autofahrten sind eine Mikro-Auszeit für mich, da ich einfach kurz durchatmen kann."
Jule Tilgner

Die einzige Zeit für sich hat Jule im Auto auf dem Weg zur Arbeit: "Da fahre ich ein ganzes Stück und höre oft laut Musik." Eine richtige Auszeit nur mit sich selbst sei es trotzdem nicht, weil sie sich weiter auf die Straßen konzentrieren muss – es gibt ihr aber zumindest einen winzigen Raum, um ihren Gedanken nachhängen zu können, sagt Jule.

Was der Hebamme in dieser Zeit Kraft gibt, ist die Dankbarkeit von den Menschen, denen sie auf der Arbeit helfen kann: "Die Frauen, die ich in diesen Wochen im Kreissaal begleitet habe, die waren dankbar und froh, dass mein Team da war, dass ich da war", sagt Jule. "Ich glaube, das ist eine große Motivation, da zu sein für andere."