Seit Ende März sollen wir wegen der Corona-Pandemie zu Hause bleiben. Oft fällt es dann schwer, Zeit für uns selbst zu finden. Nathalie Marcinkowski gibt Tipps, wie wir Mitbewohnern und Partnern unser Bedürfnis, allein zu sein, richtig kommunizieren und wie wir dadurch auftanken können.

Wem gerade die Decke auf den Kopf fällt, weil WG-Mitbewohnerinnen oder Partnerinnen ständig um uns herum sind, ist nicht allein.

"Wir sind einfach nicht in Bestform."
Psychologin Nathalie Marcinkowski

Dass wir gerade mehr Zeit für uns brauchen, ist etwas ganz Normales, sagt Psychologin Nathalie Marcinkowski. "Ich glaube schon, dass es gerade bei vielen schwierig ist – aus unterschiedlichsten Gründen", betont sie. "Und dann sind wir einfach nicht Bestform."

Weil wir wegen der Krise in alte Verhaltensmuster verfallen, sage diese Zeit wenig über eine Beziehung aus, wenn sie vorher intakt war, schätzt die Psychologin ein. "Gerade in dem Szenario, wo wir merken: Okay, es ist gerade alles ziemlich viel, die Nerven liegen blank, weil alles so anders ist – gerade dann ist es wichtig, sich selbst wieder ganz bewusst in die Balance zu bringen", sagt Nathalie Marcinkowski.

Wir brauchen alle Zeit für uns alleine, um aufzutanken

Unsere Balance ist nach unserem Alltag gerichtet – und der ist in den meisten Fällen gerade ziemlich gestört, merkt die Psychologin an. Me-Time ist oft viel weniger da, als wir es gewohnt sind. "Dann brauchen wir umso mehr Schritte, die uns in die Balance zurückbringen."

Denn auch wenn Selbstfürsorge immer noch oft als etwas Egoistisches wahrgenommen wird, sei es jetzt umso wichtiger, das Bedürfnis des Rückzugs richtig zu kommunizieren: "Gerade wenn man den Impuls hat: Ich möchte für euch da sein, aber ich brauche auch etwas Zeit für mich."

Nathalies Tipps für Zeit für sich selbst

  • Entwickle ein Bewusstsein dafür, dass das gerade eine Ausnahmesituation ist.
  • Falls es kracht, empfiehlt die Psychologin, erst mal abzuwarten und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen – "und ganz liebevoll mit sich und so gut es geht mit dem Partner umgehen."
  • Wenn man das Bedürfnis verspürt, sich zurückzuziehen, sollte man dies direkt und frühzeitig kommunizieren.
  • Wenn wir uns Zeit für uns allein nehmen, dann geht es darum, das Nervensystem zu Ruhe kommen zu lassen, erklärt Nathalie. Das Smartphone oder Serien würden da eher im Weg stehen. Stattdessen empfiehlt Nathalie "alles, was uns hilft, mehr bei uns selber anzukommen." Das kann Malen sein, ein inspirierendes Buch lesen oder Musik hören. Wenn es einem damit gut geht, kann das natürlich auch ein Netflix-Marathon sein. "Das Wichtige ist, dass wir immer wieder gucken: Was tankt mich wirklich auf?"
  • "Mein Lieblingstipp ist – und das kann man theoretisch auch mit anderen machen – in die Natur zu gehen", sagt die Psychologin. Schon ein Waldspaziergang führe dazu, dass nachweislich Stresshormone gesenkt werden und das Immunsystem angekurbelt wird.

Nathalies Me-Time sieht übrigens meistens so aus, dass sie sich auf ihrem Bett entspannt und das Fenster aufmacht, sodass die Sonne durchscheint. Oft geht sie auch im Wald spazieren und schreibt Tagebuch.