Ein Termin beim Psychotherapeuten? Nicht ganz einfach. Der Anrufbeantworter vertröstet. Ein Rückruf - Fehlanzeige. In der Praxis weggeschickt. Im Schnitt warten Patienten fünf Monate.

Bei psychischen Problemen und Erkrankungen wie Depression, Burnout, Traumastörungen, Phobien oder Panikattacken können Psychotherapeuten helfen. Das Problem: Die Wartezeiten sind in vielen deutschen Städten sehr lang. Auch Frauke hat lange auf einen Therapieplatz gewartet. 

Frauke wartet auf einen Therapieplatz
© Deutschlandfunk Nova | Dominik Peters
Frauke hat lange auf einen Therapieplatz gewartet

Im Durchschnitt warten Patienten in Deutschland knapp fünf Monate auf den Beginn ihrer Therapie. "Auf dem Land und im Ruhrgebiet ist es besonders schlimm", berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Peters.

"Ich glaube, das ist schon für einen gesunden Menschen nicht einfach. Für Menschen mit Depressionen ist das noch zehn Mal schwieriger, wirklich so konsequent da dran zu bleiben."
Frauke hat lange nach einem Therapieplatz gesucht.

Frauke hat vor fünf Jahren gemerkt, dass irgendwas mit ihr nicht stimmt: "Ich konnte es nicht einordnen. Aber es war irgendwie doof. Nur heulen ist peinlich." Ihr Arzt schrieb sie eine Woche krank. Als ihr Zustand sich weiter verschlechterte, bekam sie die Diagnose "Depression" - und die Suche nach einem Therapieplatz in Dortmund begann.

"Also bis heute habe ich da keine Rückrufe bekommen, von gar keinem."
Frauke hat auf viele Anrufbeantworter von Psychotherapeuten gesprochen.

Therapeuten müssen die Leute wegschicken

Für die Psychotherapeuten ist die Situation auch problematisch. Er habe zwischen 15 und 40 Anfragen in der Woche, berichtet Christoph Falke. Er ist Psychotherapeut in Duisburg. 

Christoph Falke, Psychotherapeut in Duisburg
© Deutschlandfunk Nova | Dominik Peters
Christoph Falke, Psychotherapeut in Duisburg

Einen Therapieplatz kann er nur ein bis zwei Patienten anbieten. Und so muss er entscheiden: Wem gebe ich einen Therapieplatz, und wen schicke ich wieder weg.

"Das ist besonders unangenehm, wenn ich mitten in der Sitzung bin und dann in ganz wenigen Worten freundlich sagen muss: Melden sie sich telefonisch. Aber wir haben keine Plätze. Das ist sehr frustig."
Christoph Falke, Psychotherapeut in Duisburg

29.000 Psychotherapeuten in Deutschland

Wie viele Psychotherapeuten sich in den einzelnen Regionen niederlassen dürfen, entscheiden die Kassenärztlichen Vereinigungen zusammen mit den Krankenkassen. Die Bundespsychotherapeutenkammer kritisiert, an Reformen bestehe aus wirtschaftlichen Gründen kein Interesse. Florian Lanz vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hält das für Unsinn.

"Wir haben in Deutschland insgesamt mit Sicherheit keinen Mangel an Psychotherapeuten. Was allerdings ein Problem ist: Sie sind teilweise schlecht verteilt."
Florian Lanz, Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen

Große Unterschiede in der Verteilung

Eine Studie der Psychologischen Hochschule Berlin hat die Unterschiede in der Versorgungsdichte belegt: Demnach kommen in München zum Beispiel auf 100.000 Einwohner etwa 75 Psychotherapeuten, in Köln sind es 65. Im Ruhrgebiet und in ländlichen Regionen sind es weniger als 20. 

Um das zu beheben, gibt es bisher nur Notlösungen: Terminservicestellen müssen Patienten innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Psychotherapeuten vermitteln. Therapeuten müssen eine Sprechstunde für solche Erstgespräche freihalten. Dennoch bleibt die Frage: Was bringt es, wenn nach einem Erstgespräch dann doch kein Behandlungsplatz frei ist? Vermutlich nur Frust bei den Patienten.

Falls Ihr Fragen zu Depressionen habt, bietet die Telefonseelsorge unter der Nummer 0800/111 0 111 kostenfrei Hilfe. Auch die Deutsche Depressionshilfe hat ein Info-Telefon für Betroffene.

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