Wenn wir schnell viel Fett hintereinander essen – immer wieder – kann sich unser Körper möglicherweise daran gewöhnen. Unser Sättigungsgefühl wird dadurch gestört. Das haben Forschende aus Polen und Großbritannien herausgefunden.

Vor allem zwei Mechanismen führen normalerweise dazu, dass wir nach dem Essen satt sind, erklärt der Neurowissenschaftler Henning Beck: Das eine ist der Magendehnungsreflex. Wir essen etwas, der Magen dehnt sich aus, das registriert der Körper über Nervenfasern. Und dann werden wir satt.

"Kurzer Tipp an dieser Stelle: Wenn man abnehmen will, immer Wasser zum Essen trinken, dann dehnt sich der Magen schneller – und man wird schneller satt."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

"So ein Magen ist auch schnell wieder leergepumpt", sagt Henning Beck, deswegen registriert der Körper offenbar auch noch über Botenstoffe im Verdauungstrakt: 'Oh, ich habe viel Fett gegessen oder viel Protein.' Und dann tritt ein längerfristiges Sättigungsgefühl ein.

Wenn das längerfristige Sättigungsgefühl ausbleibt

Eine neue Theorie geht nun davon aus, dass bei Übergewichtigen dieses Sättigungsgefühl nicht mehr richtig funktioniert. Entweder gewöhne sich der Körper an diese Botenstoffe, die ausgeschüttet werden, oder im Hirn gebe es Regionen, die nicht mehr so gut darauf reagieren. Das bedeutet, dass der Körper nicht mehr dieses längerfristige Sättigungsgefühl kennt, erklärt der Neurowissenschaftler.

"Man weiß von stark übergewichtigen Menschen, dass sie – wenn sie viel gegessen haben, ein Schnitzel und Pommes und alles – sehr schnell wieder das nächste Hungergefühl haben."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

In einer aktuellen Studie haben Forschende geschaut, wie sich bestimmte Hirnregionen verändern. "Man muss dazu sagen, es war bei Ratten", so Henning Beck. Es handele sich dabei um dieselben Hirnstrukturen, die auch den Biorhythmus steuern – also den Schlaf-Wach-Rhythmus – und auch einige Nervenstränge, die die Signale aus dem Magen-Darm-Trakt empfangen. "Die scheinen sich tatsächlich zu verändern", sagt Beck – zumindest bei Nagetieren.

"Das könnte ein Grund dafür sein, wenn man viel fettreich isst, dass sich im Laufe der Zeit das Gehirn daran gewöhnt und dann nicht mehr erkennt, wie viel Fett viel Fett ist."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Es stellt sich die Frage, ob wir möglichst wenig Fett essen sollten. Henning Beck sagt: Nein. Einige Sportler würden etwa bewusst mit fettreicher Ernährung trainieren, um den Fettstoffwechsel anzukurbeln. Es sei gut, ab und zu auch hochwertiges Fett zu essen. "Die Sache ist nur, wenn wir sehr viel Fett, sehr schnell hintereinander essen und das über längere Zeit, dann verlieren wir irgendwann das Maß dafür, was Fett überhaupt in unserem Körper bewirkt."