Eine groß angelegte, neue Studie kommt zum Schluss: Die sexuelle Präferenz ist eine komplexe Mischung aus genetischer Veranlagung gepaart mit Umwelteinflüssen.

In einer umfangreichen Studie wurde das Erbgut von fast einer halben Million Menschen untersucht, die angegeben hatten, ob sie schon mal gleichgeschlechtlichen Sex praktiziert hatten oder auch nicht.

Die Forschenden konnten feststellen, dass sich fünf Gen-Abschnitte bei Menschen, die gleichgeschlechtlichen Sex hatten, häufiger finden. Diese Gene haben aber laut Studienautoren eher geringen Einfluss. Und es handelt sich bei Frauen und Männern jeweils um unterschiedliche Gen-Abschnitte. Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass es kein Gen gibt, mit dem sich Homosexualität bestimmen oder vorhersagen lässt.

"Bei eineiigen Zwillingen sind tatsächlich häufiger beide homosexuell als bei zweieiigen Zwillingen, das ist ein Hinweis darauf, dass die Gene tatsächlich eine Rolle spielen. Also ja: Homosexualität hat etwas mit den Genen zu tun – zu etwa einem Viertel – das zeigt auch die aktuelle Studie."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Zwillingsstudien weisen genetischen Einfluss nach

Frühere Studien hatten bereits nachgewiesen, dass die Gene einen Einfluss auf die sexuelle Prägung haben können: Bei eineiigen Zwillingen sind häufiger beide Personen homosexuell, anders als bei zweieiigen Zwillingen. Das werten die Forschenden als ein Hinweis darauf, dass die Gene tatsächlich eine Rolle spielen.

Homosexualität wird laut dieser Zwillingsstudien zu etwa einem Viertel genetisch festgelegt – das hat auch die, anfangs erwähnte – aktuelle Studie gezeigt. Die Forschenden sagen aber auch, dass Homosexualität sehr komplex ist. Sie vergleichen die Ausprägung der sexuellen Neigung mit anderen menschlichen Eigenschaften: Und die seien oft sehr komplex und zum Teil genetisch, aber zum Teil auch durch die Umwelt bestimmt.

"There is clearly no so-called 'gay gene', but there are lots of Genes, that do lots of things. And each has a tiny effect. Five genes reach statistical significance, but they capture only a tiny fraction of the variation."
Ben Neale, Genetiker an der Universität Harvard

Einige Kritiker aus der LGBTQ-Bewegung waren eigentlich gegen die Veröffentlichung der Studie. Der Hintergrund: Sie haben Angst, dass die Ergebnisse missverstanden werden könnten. Aber die Forschenden versichern, sie hätten versucht, diese Bedenken ernst zu nehmen, und hätten sich auch von der LGBTQ-Community beraten lassen. Und damit nichts missverstanden wird, haben sie sogar eine eigene Webseite erstellt. Auf der ist sehr verständlich erklärt, was sie rausfinden wollten, wie sie vorgegangen sind und was sie rausgefunden haben.

Andere Wissenschaftler loben die Studie, weil sie so umfangreich und genau ist. Und weil die Studienmacherinnen und -macher eben diese Internetseite erstellt haben, auf der sie ihre Ergebnisse vorstellen und mehr Informationen zu Homosexualität auflisten.

"At the same time, it’s also clear from the study, that sexuality is not a choice. It’s both biology and environment, working together in incredibly complicated ways."
Ben Neale, Genetiker an der Universität Harvard