Sorry Männer, die Ausrede "mein Testosteron ist schuld" zieht nicht mehr – zumindest wenn es darum geht, mehr Mitgefühl zu zeigen. Eine Studie hat den Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon und der Empathiefähigkeit widerlegt.

Bislang war es eine weit verbreitete Meinung, dass Testosteron Männer weniger emphatisch mache. Es gab sogar die These, das männliche Sexualhormon sei eventuell verantwortlich dafür, dass Psychopathen kein Mitgefühl haben, so unsere Reporterin Verena von Keitz.

"Es gab sogar die These, das männliche Sexualhormon sei eventuell verantwortlich dafür, dass Psychopathen kein Mitgefühl haben."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Allerdings waren die Studien darüber immer sehr klein und vor allem ließ sich der direkte Zusammenhang nur schwer nachweisen, so unsere Reporterin. Eine neue Studie zeigt jetzt: Testosteron hat keinen Einfluss auf unsere Empathiefähigkeit. Der kanadische Forscher Amos Nadler hat mit seinem Team 650 gesunde Männer mit Testosteron-Gels und Nasensprays oder einem Placebo behandelt und untersucht, ob das Testosteron Einfluss darauf hat, wie sie bei Empathie-Tests abschneiden.

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Bei den Probanden mit der höheren Testosteron-Konzentration im Blut machte es keinen Unterschied, wie gut sie erkennen konnten, in welchem emotionalen Zustand sich ein anderer Mensch befindet, so Verena von Keitz.

Testosteron hat viele andere Einflüsse

Ob Testosteron in seiner Wirkung aufs Verhalten überschätzt werde, ist schwer zu sagen, sagt Verena. "Es ist einfach komplex, aber es hat ganz klar eine Wirkung." Definitiv lässt es die Barthaare wachsen, macht die Stimme tiefer und beeinflusst unsere sexuelle Lust.

"Es lässt wirklich Barthaare wachsen, macht die Stimme tiefer, hat Einfluss auf sexuelle Lust – und zwar bei Männern und bei Frauen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Außerdem kann ein höherer Testosteronspiegel Menschen aggressiver machen, anderseits auch sozialer. Für die Wirkung von Testosteron spielt aber nicht alleine die Menge des Hormons im Körper eine Rolle, wichtig ist vor allem auch, wie viele Rezeptoren wir für das Hormon haben, so Verena.

Unser Körper passt sich einer Situation an

Interessant ist auch, dass die Testosteronwerte im Körper ständig schwanken – nach Jahreszeit, Gesundheitszustand, abhängig von der Beziehung, in der wir leben, abhängig von der Alltagssituation und im Verlauf eines Tages. Streicheln wir zum Beispiel eine Katze oder kümmern uns um einen lieben Menschen, dann sinkt der Wert. Fühlen wir uns angegriffen oder herausgefordert, steigt der Wert.

"Wenn du deine Katze streichelst oder dich um jemanden kümmerst, den du gerne hast, sinkt das Testosteron. Wenn du dich angegriffen oder herausgefordert fühlst, dann steigt es."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Generell gilt bei Hormonen – bei Frauen und Männern: Unser Körper passt sich einer Situation an, in dem er die passenden Hormone dazu ausschüttet, die dann ein Verhalten fördern, was zu der Situation passt und nicht umgekehrt, sagt Verena.