Haben Männer einen anderen Humor als Frauen? Zumindest wirkt er anders auf uns. Es macht einen großen Unterschied, wie wir den Status von Männern und Frauen bewerten, wenn sie im beruflichen Umfeld lustig sind. Männer gelten dann eher als souverän und respektabel, lustige Frauen halten wir für weniger kompetent.

Welches Verhalten wir bei Frauen und Männer als angemessen betrachten, kann sehr unterschiedlich sein. Wie wir eine Person bewerten, die in einer bestimmten Situation – zum Beispiel als Politikerinnen – Humor zeigt, weiß die Arbeitspsychologin Tabea Scheel von der Universität Flensburg.

"Es ist einfach so, dass wir verschiedenes Verhalten als Angemessen betrachten bei Männern und Frauen, so ganz allgemein."
Tabea Scheel, Arbeitspsychologin an der Uni Flensburg

Eine Studie hat untersucht, wie wir den Status einer Person bewerten, wenn sie bei einer Jobpräsentation Witze oder lustige Bemerkungen einstreut. Den Studienteilnehmern wurde ein Video dieser Situation gezeigt. Sie sollten den Status der jeweiligen Person einschätzen, das heißt, wie viel Respekt und Anerkennung diese Person wohl von ihrem Umfeld bekommt.

Humor lässt Männer kompetent erscheinen, Frauen nicht

Die Studie hat nachgewiesen, dass der Status von Frauen, die humorvoll sind, wesentlich niedriger eingeschätzt wird als die von Männern, so die Arbeitspsychologin Tabea Scheel. Ein humorvoller Mann galt demzufolge als charismatisch und wurde höher in seinem Status eingeschätzt. Eine Frau mit Humor wurde in ihrem Status geringer eingeschätzt als eine Frau, die keine Witze machte.

Status mit Humor bestimmen

Wenn Humor wichtig dafür ist, den eigenen Status zu bestimmen, aber Frauen beim Versuch, Humor einzusetzen ihren Status gefährden, dann ist das problematisch. In einem weiteren Experiment hat sich gezeigt, dass auch die berufliche Leistung und die Führungsqualitäten der humorvollen Frauen schlechter eingeschätzt wurden. Tabea Scheel findet das bedenklich.

"Eigentlich heißt es nur: Frauen müssten es eigentlich noch viel mehr tun. Genauso wie die Männer. Damit alle sich mal daran gewöhnen."
Tabea Scheel, Arbeitspsychologin an der Uni Flensburg

Auch Politikerinnen sollten sich wohl genau überlegen, wie sie Humor im Berufsalltag einsetzen, wie folgendes Szenario verdeutlicht: Die Politikerin Andrea Nahles (SPD) stimmt 2013 im Bundestag ein Pippi-Langstrumpf-Lied an, um – wie sie findet – die Regierung dafür zu kritisieren, dass sie ihre Leistungen geschönt darstellt. Dafür kassiert sie unglaublich viel Häme von ihren Kollegen und der Presse. Allerdings geht es in vielen Fällen nicht um die inhaltliche Kritik, sondern darum, dass sie nicht singen sollte.

"Wenn man sagt, ein Witz von einer Führungskraft kann ganz gut ankommen und dann sagt: aber nicht von Frauen, dann hat man eigentlich schon gesagt: Frauen müssen sich anders verhalten."
Tabea Scheel, Arbeitspsychologin an der Uni Flensburg