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Die Dunkelziffer bei antimuslimischen und islamfeindlichen Vorfällen in Deutschland könnte sehr hoch sein. Das ist mit ein Grund für das erste bundesweite Meldeportal. Über "I Report" können sich Betroffene sowie Zeugen und Zeuginnen online melden.

"Wir müssen antimuslimischen Rassismus sichtbar machen", sagt Hanna Attar. Sie ist Projektmanagerin bei "Claim – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit". Die Initiative steckt hinter dem ersten bundesweiten Meldeportal "I Report" für antimuslimische und islamfeindliche Vorfälle.

Wie häufig erleben Menschen antimuslimische Diskriminierung?

Das Bundesinnenministerium erfasse zwar islamfeindliche Straftaten, doch die Dunkelziffer sei vermutlich sehr hoch. Die tatsächliche Zahl könnte acht Mal so hoch sein, schätzt Hanna Attar.

"Man geht davon aus, dass die Dunkelziffer bei islamfeindlichen Straftaten acht Mal so hoch ist wie die Erfassung."
Hanna Attar, Projektmanagerin bei Claim

Hinzu kommt, dass das Ministerium Straftaten zählt und registriert. "Diskriminierung an sich wird nicht erfasst", sagt Hanna Attar. Auch deshalb hat die Initiative Claim das Meldeportal entwickelt. Man will zeigen, dass antimuslimische Diskriminierung in der Gesellschaft weit verbreitet sei.

"Das Meldeportal soll deutlich machen, dass antimuslimischer Rassismus in der Mitte der Gesellschaft verankert ist."
Hanna Attar, Projektmanagerin bei Claim

Solche Diskriminierungen bedeuten im Einzelfall, dass zum Beispiel eine Frau eine Arbeitsstelle nicht bekommt, weil sie ein Kopftuch trägt. Dass Personen aufgrund ihres Namens keine Wohnung bekommen.

Auf "I Report" können sich Menschen melden, die als Betroffene oder als Zeuge und Zeugin solche Vorfälle oder auch Übergriffe erlebt haben. Auf dem Meldeportal schildern sie dann den genauen Vorfall. Die Angaben landen in einer Datenbank, die nach einer ersten Pilotphase ausgewertet werden. Die Daten können auch eine Basis sein, um Empfehlungen im Umgang mit antimuslimischen Rassismus zu entwickeln.

Meldeportal als einfache und schnelle Hilfe

"I Report" soll eine Möglichkeit bieten, schnell und unkompliziert Vorfälle zu melden. Manche Betroffene wüssten nicht, an wen sie sich wenden können. "Teilweise fehlt auch das Vertrauen in Behörden", sagt Hanna Attar.

Mit dem Meldeportal sollen Menschen auch motiviert werden, überhaupt erfahrene Diskriminierung oder Übergriffe mitzuteilen, so Hanna Attar.