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Am Anfang von Österreichs Regierungskrise stand ein USB-Stick. Darauf war das Video gespeichert, das zum Rücktritt von Ex-Vizekanzler Hans-Christian Strache und zum Zusammenbruch der Regierungskoalition führte. Das Video wurde dem Spiegel und der Süddeutschen Zeitung (SZ) zugespielt. Wir haben darüber mit Nicolas Richter von der SZ gesprochen.

Nicolas Richter arbeitet in der Investigativ-Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Die brisanten Informationen kommen natürlich nicht per Post oder Mail bequem auf den Schreibtisch, berichtet er.

"Das Warten allein reicht nicht aus. Man muss dem Glück ein bisschen auf die Sprünge helfen."
Nicolas Richter, Süddeutsche Zeitung

Über viele Jahre müsse man ein Netzwerk an Kontakten und Informanten aufbauen - Personen, denen man vertraut und die einem ebenfalls vertrauen. Durch die Panama Papers habe die Süddeutsche Zeitung einen bestimmten Bekanntheitsgrad in diesem Bereich erlangt. Deshalb würden sich Menschen mit brisanten Informationen auch gezielt an die SZ wenden.

Garantierte Anonymität

Die Kontaktaufnahme erfolge entweder direkt mit der entsprechenden Redakteurin oder dem entsprechenden Redakteur. Oder über die Zeitung. Auf der Website der SZ existiert eine Art digitaler Briefkasten, in den man Dokumente hochladen kann, ohne dass zu erkennen ist, wo sie hochgeladen wurden und wer dahinter steckt. Die Anonymität sei garantiert, so Richter. Auf der anderen Seite gebe es auch Informanten, die anrufen oder persönlich vorbeikommen und an der SZ-Pforte etwas abgeben.

"Die Informanten müssen darauf vertrauen können, dass die Journalisten wissen, was sie tun."
Nicolas Richter, Süddeutsche Zeitung

Sowohl private Informanten als auch Informanten aus dem bestehenden Kontaktnetzwerk gehen ein Risiko ein, ihren Job zu verlieren oder sich einer Strafverfolgung auszusetzen, sagt Richter. Sie müssen sich also 100 Prozent auf die Journalisten verlassen können.

Kein Geld an Informanten

Die SZ zahlt grundsätzlich nie Geld für Informationen, betont Richter. Das schade der Glaubwürdigkeit. Erstens hätten die Medien nicht so viel Geld, um es mit vollen Händen auszugeben. Und zweitens erwecke das einen falschen Eindruck und schaffe Anreize, die so nicht gewollt seien.

Auch wenn viele vielleicht denken, das sei nur in Filmen so: Eine Übergabe von brisanten Infos kann durchaus auch mal an einem dunklen, geheimen Ort stattfinden. In den meisten Fällen laufe das zwar anders und weit weniger spektakulär ab – im Falle des Ibiza-Videos war es aber tatsächlich so, erzählt Richter.

"Bei der Übergabe des Strache-Videos ist der Kollege an einen verlassenen Ort gelotst worden, damit ihm niemand folgen und die Übergabe beobachten kann."
Nicolas Richter, Süddeutsche Zeitung

Im konkreten Fall des Strache-Videos kann er dazu nichts sagen, so Richter. Grundsätzlich gäben manche Informanten einem aber erst mal eine kleine Kostprobe dessen, was sie anzubieten haben.

Investigativ-Redaktionen werden wichtiger

Die Redaktionen, die sich dem investigativen Journalismus widmen, werden gerade ausgebaut in Deutschland. Die Medien seien unter einem gewissen Druck, so Richter. Sie müssten immer wieder erklären, warum Menschen Geld für Informationen ausgeben sollen, wenn sie Informationen doch auch kostenlos irgendwo im Internet lesen können. Dies könne man besonders gut damit begründen, wenn man den Menschen exklusive Inhalte biete, die sie nirgendwo anders finden, so Richter.

Shownotes
Ibiza-Video
Wie investigative Recherche funktioniert
vom 21. Mai 2019
Moderation: 
Till Haase
Gesprächspartner: 
Nicolas Richter, Süddeutsche Zeitung