Nicht jedem seltenen Tier kann ein Forscher hinterherlaufen. Satelliten können dabei helfen, den Überblick zu bewahren. Gerade ist ein solches Projekt gestartet.

Eigentlich sollten sie schon an der ISS befestigt sein, die Spezialantennen, die Signale von der Erde empfangen und speichern sollen. Und zwar besondere Signale - die von Wildtieren an Land und im Wasser kommen. 

Doch der Start der Transportrakete in Baikonur musste verschoben werden. Die Astronauten müssen sich gedulden. 2,5 Tonnen Nachschub sollten mitfliegen. Auf die Antennen warten unter anderem deutsche Biologen.

Zur Erfassung von Körper- und Positionsdaten von Tieren

Wir haben mit Verena von Keitz über das Projekt gesprochen. Es nennt sich Icarus Initiative und ist eine deutsch-russische Forschungskooperation. Damit sammeln die Wissenschaftler Daten von verschiedenen Tieren, an denen jeweils Sender befestigt sind. Verena berichtet, dass die Biologen damit Tierwanderungen nachvollziehen möchten. Die Wissenschaftler wollen zum Beispiel erfahren, warum so viele Zugvögel auf ihren langen Flugstrecken verloren gehen.

Wie machen sie das konkret? Die Tiere bekommen kleine Sender. Diese zeichnen die Position und Körpermessdaten der Tiere auf. Diese Daten werden dann an über die ISS an einen Empfänger auf der Erde weitergeben und dort ausgewertet.

ISS übermittelt Tierdaten

Die ISS kreist täglich mehrmals um die Erde und überfliegt auch Gegenden, in denen weder Wissenschaftler noch andere Satelliten in der Nähe sind, um die Daten der Tiersender empfangen könnten. Wenn sich die ISS mit ihren Empfänger-Antennen nähert, sollen die Sender aus dem Standby aufwachen und in dem Moment ihre Daten an die ISS übertragen. Dort werden diese dann gesammelt und zur Auswertung weitergegeben.

Dabei geht es um viele verschiedene Tierarten, sagt Martin Wikelski vom Max Planck Institut für Ornithologie. Er ist Experte für Tierwanderungen und hat das ganze Projekt mitentwickelt. Momentan ist er in Baikonur und fiebert dem Start entgegen. Von der Icarus Initiative erhofft sich noch mehr und vor allem bessere Daten über die Tiere.

"Der kann nicht nur die GPS-Position, sondern auch Sensordaten auslesen. Das heißt: Beschleunigung, Ausrichtung, Temperatur, Feuchte, Druckhöhe. Das ist eine völlig neue Qualität von Daten."
Martin Wikelski vom Max Planck Institut für Ornithologie

Die Bewegungsmuster der Tiere können nützlich sein, sagt Verena, weil sie Hinweise auf bevorstehende Ereignisse geben. Bei Ziegen lässt sich beispielsweise ein bestimmtes Bewegungsmuster beobachten, bevor ein Vulkan ausbricht. 

Die Datenspur der Vogelgrippe

Auch die Ausbreitung von Krankheiten lässt sich mithilfe von Tierdaten beobachten: Eine erhöhte Körpertemperatur bei einer Gruppe von Wildenten, kann auf eine Erkrankung hinweisen - beispielsweise mit der Vogelgrippe.

Die Sender selbst sind mittlerweile sehr klein, so groß wie ein Daumennagel und sie wiegen nur fünf Gramm. Für die Tiere sind sie daher wahrscheinlich nicht so störend. Allerdings müssen die Wissenschaftler die Tiere erstmal einfangen, um die Sender anzubringen. Damit greifen sie dann schon in das natürliche Verhalten der Tiere ein.

"Das ist ein ethisches Problem, deswegen machen wir die Sender auch so klein, wie es geht. Wir wissen, dass die Tiere das nicht unbedingt wollen."
Martin Wikelski vom Max Planck Institut für Ornithologie

Außerdem haben die Forscher beobachtet, dass viele Tiere sich schnell an diesen Fremdkörper gewöhnen, sagt Verena. Das spricht dafür, dass die Tiere damit gut klarkommen.

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