Alle nutzen Musikstreamingdienste. Da sollte man glauben, illegale Downloads seien kein Thema mehr. Stimmt nicht. Aber warum? Viele haben einfach keinen Bock zu zahlen, sagt unsere Reporterin Anke van de Weyer. Dabei spielen auch die Abo-Modelle der Streamingdienste eine Rolle.

Laut einer Umfrage des Weltverbands der Phonoindustrie sind illegale Musikdownloads nicht so tot, wie manche vielleicht denken. Der "Music Consumer Insight Report" wurde im Oktober veröffentlicht. Dafür ließ der Weltverband im Mai und April 2018 in über 20 Ländern Menschen zwischen 16 und 64 Jahren zu ihrem Musikkonsum befragen: Knapp 40 Prozent der Befragten gaben zu, sich illegal Musik zu besorgen. Die Zahl liegt auf dem Niveau der vergangenen Jahre.

Illegale Musikdownloads bleiben konstant hoch

Die meisten der Befragten rippen Streams, um illegal an Musik zu kommen. Das Abspeichern sei fast schon modern verglichen mit den anderen Methoden, die für illegale Downloads genutzt werden, so Anke van de Weyer. Beliebt ist auch die Nutzung von File- und Sharehostern: Auf diesen Webseiten können User alle möglichen Inhalte hochladen, für andere verlinken und wieder herunterladen.

Populär sind Uploaded.net oder Deposit-Files. "Früher war Megaupload das Ding", sagt Anke van de Weyer. Die Haftung bei illegalen Inhalten ist bei solchen Sharehostern umstritten: Ist die Plattform verantwortlich oder sind es die User? Gegen Uploaded.net laufen mehrere Klagen, so Computerbild. Eine davon wurde dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt.

Aber erst einmal ist klar: Illegale Musikdownloads sind anscheinend nicht klein zu kriegen. Das Relikt aus den Nullerjahren lebt weiter.

"Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit, in der an Streaming noch nicht zu denken war, in der das Internet noch sehr langsam war."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

In den Nullerjahren und auch davor, war das Netz noch super langsam: Legale und illegale Downloads von Musik, Filmen oder Serien konnten ewig dauern. Ein Argument für illegales Herunterladen war damals deshalb auch, dass man brav zahlen würde, wenn der legale Download bequem und für einen fairen Preis verfügbar wäre. Seit Streamingdiensten und schnellerem Internet, kann das kein Grund mehr sein. Aber vielleicht geht es einfach auch ums Geld.

"Am Ende haben die Leute keinen Bock für Musik tatsächlich Geld zu bezahlen."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Viele wollen für Musik einfach nicht zahlen. Laut der Umfrage des Weltverbands der Phonoindustrie besorgen sich Menschen Musik vor allem illegal, um sie auch offline zu hören. So wollen sie ein Bezahl-Abo umgehen. Denn die Studie zeigt auch, dass 86 Prozent der Befragten Streaminganbieter nutzen. Doch von den 16- bis 24-Jährigen haben nur knapp 60 Prozent der Befragten ein Bezahl-Abo und können somit nicht offline Musik hören.

Die Frage, ob man ein Abo abschließt oder nicht, spielt anscheinend für viele eine Rolle. Das Unternehmen Sandvine legte auch eine Untersuchung zum Filesharing vor: Darin wird vermutet, dass die illegalen Downloads auch an den unterschiedlichen Angeboten der Streaming-Anbieter liegen könnte. Durch die steigende Konkurrenz locken die Streaming-Anbieter ihren Kunden immer stärker mit exklusiven Filmen oder Alben. Doch um diese Angebote zu nutzen, muss man ein Abo abschließen. Wer nun aber nur das eine Album hören will, könnte motiviert sein, sich es dann illegal besorgen.

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