Winzig kleine Kameras auf Toiletten verstecken, Frauen filmen und dann die Bilder hochladen? Ja, manche Männer machen das. Patrizia Schlosser hat sich ein Bild von den Tätern gemacht.

Unter dem Motto Rache am Patriarchat haben Frauen am 14.02.2020 in Berlin demonstriert. Der Anlass? Im Januar machte die Journalistin Patrizia Schlosser öffentlich, dass ein Mann heimlich angefertigte Filmaufnahmen von Festivalklos auf einer Porno-Streaming-Seite hochgeladen und damit Geld verdient hat. Schon das Filmen allein ist nach Paragraf 201a strafbar. Darauf stehen bis zu zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Patrizia Schlosser hat sich beruflich mit Spanner-Netzwerken und ihrer Logik beschäftigt. Sie wollte herausfinden, wer hinter den Profilen steckt, die solche Spanner-Videos anbieten – zumindest im deutschsprachigen Raum. Ursprünglich war sie durch einen Artikel von Isabell Beer auf das Thema aufmerksam geworden.

Unwissenheit der Polizei

Diejenigen, die solche Spanner-Videos aufzeichnen und dann verbreiten, stehen auf voyeuristische Pornographie. Sie brauchen diese Bilder, um sich zu erregen. Ihre sexuelle Präferenz ist nicht strafbar, das Filmen anderer Menschen in besonders geschützten Räumen hingegen schon.

Untereinander verharmlosen die Täter, was sie den Menschen, die sie filmen, antun. Das unzureichende Wissen der Polizei von Spannervideos auf Pornoseiten trage zu diesem Sicherheitsgefühl der Täter noch bei, berichtet Patrizia Schlosser.

"Die vermitteln sich gegenseitig das Gefühl, dass es schon in Ordnung ist, was sie machen, feiern sich für ihr Tun."
Patrizia Schlosser über Spanner-Netzwerke und ihr mangelndes Unrechtsbewusstsein

Die Journalistin berichtet, dass sie während ihrer Recherche Frauen ausfindig machen konnte, die ein Bekannter heimlich bei der Benutzung seiner Toilette gefilmt hat.

"Man schämt sich ja einfach unwillkürlich als Opfer, obwohl man sich natürlich eigentlich nicht schämen müsste. Schämen sollte sich natürlich der Täter."
Patrizia Schlosser, Journalistin

Die Journalistin hofft, dass ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein für dieses Phänomen dazu führt, dass sich die Täter nicht mehr so sicher fühlen. In beiden Fällen, die sie aufgedeckt hat, ermittelt die Polizei.

"Als ich angefangen hatte zu recherchieren, war das Phänomen so unbekannt, dass die Täter einfach das Gefühl hatten, es erwischt uns keiner. Das muss sich ändern."
Patrizia Schlosser, Journalistin