Klar gibt es Unterschiede zwischen Stadt- und Landmenschen. Eine Studie zeigt, dass das Immunsystem der Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, besser mit Stress klar kommt als das der Stadtmenschen.

Stefan Reber ist selber ein Kind vom Lande und lebt jetzt in einem Vorort von Ulm. Er ist Stressforscher, oder besser gesagt Professor für Molekulare Psychosomatik an der Uniklinik Ulm. Stefan Reber wollte wissen, ob Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, anders auf Stress reagieren als Menschen, die in der Stadt aufgewachsen sind.

Dafür hat er eine Untersuchung aufgesetzt, bei der er die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt hat. In der ersten Gruppe sind die Menschen, die die ersten 15 Jahre ihres Lebens auf dem Land gelebt haben und dort Nutztierkontakt hatten. In der zweiten Gruppe sind Menschen, die in den ersten 15 Jahren in der Stadt und ohne Haustierkontakt aufgewachsen sind.

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Diese beiden Gruppen hat er einem Stresstest ausgesetzt: Sie bewerben sich um ihren Traumjob und gehen dafür ins Vorstellungsgespräch. Dort muss jeder der Probanden von 3768 an in 17er-Schritten rückwärts rechnen. Stress pur! Stefan Reber wollte herausfinden, wie stark die Menschen den Stress empfinden und wie sich dieser Stress auf ihr Immunsystem auswirkt. Dafür hat er nach dem Test Speichel- und Blutproben genommen.

Immunsystem der Städter läuft heiß

Das Ergebnis: Die Landmenschen haben auf den Stress im Vorstellungsgespräch stärker reagiert. Sie haben mehr Stresshormone abgegeben und haben sich durch die Situation auch gestresster gefühlt. Aber: Ihr Immunsystem hat die Stressreaktionen gut reguliert, das Immunsystem ist sozusagen cool geblieben. Die Stadtmenschen dagegen haben sich in der Situation weniger gestresst gefühlt, ihr Immunsystem ist dagegen heiß gelaufen.

Stallgeruch ist gesund

Diese Ergebnisse haben Stefan Rebers Verdacht erhärtet: Stadtmenschen haben ein größeres Risiko an stressbedingten Krankheiten wie Asthma, Allergien oder Depressionen zu erkranken, weil ihr Immunsystem überreagiert. Die Ursache: Sie waren früher zu wenig im Stall.

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Im Stall oder im Kontakt mit Haus- und Nutztieren kommen wir in Kontakt mit Umweltmikroorganismen, die eine bestimmte Immunregulation auslösen. Diese bessere Regulation führt dazu, dass wir gegenüber Antigenen oder Stresssituationen nicht überreagieren.

Stadtleben macht krank

Das Stadtleben ist geprägt vom Verlust von diesen Mikroorganismen. Der Mangel, so Stefan Rebers Hypothese, führt dazu, dass das Immunsystem der Stadtmenschen überreagiert, wenn chronisch psychosozialer Stress ansteht.

Mehr über Stadt- und Landleben bei Deutschlandfunk Nova:

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