Mit einer neuen App kann in Österreich demnächst Gewalt gemeldet werden. Per Klick wird ein stiller Notruf abgesendet. Es gibt aber Kritik am Konzept.

In Österreich soll im März eine Notruf-App erscheinen. Hintergrund ist, dass vor allem Frauen bei häuslicher Gewalt die Polizei nicht immer telefonisch benachrichtigen können, weil der gewalttätige Mann das mitbekommen würde.

Die Idee: In der neuen App sollen Nutzer*innen einen Knopf drücken, um still die Behörden zu verständigen.

In Deutschland gibt es seit 2021 mit Nora eine App, mit der man Notrufe an Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte ohne Telefonanruf, also still, absetzen kann.

Kritik: Fehlendes Vertrauen in die Polizei

Es gibt auch Kritik an der App: Die Vorsitzende des österreichischen Frauenrings Klaudia Frieben kritisiert zum Beispiel, dass man sich in der App mit Personendaten registrieren muss, manche Frauen aber lieber anonym bleiben wollen.

Argumentiert wird zudem, dass das Vertrauen in die Polizei im Land manchmal fehlt, weil Opfer häuslicher Gewalt nicht ernst genommen wurden. Eine App würde daran nichts ändern.

Vorschlag der Frauenhäuser: Bestehende Angebote ausbauen

Auch die Geschäftsführerin der autonomen Frauenhäuser in Österreich findet die Idee der App verbesserungswürdig. Das Argument: Eifersüchtige Ehemänner könnten im Handy der Frau spionieren, dort die App entdecken – es könnte dann richtig gefährlich werden, meint Geschäftsführerin Maria Rösslhumer. Sie plädiert daher, die bestehenden Hilfsangebote für Frauen auszubauen und zu optimieren.

"Die Geschäftsführerin der autonomen Frauenhäuser in Österreich fürchtet, dass Männer die Handys ihrer Partnerinnen kontrollieren und dann auf die App stoßen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Die App "Nora" in Deutschland übermittelt auf Wunsch auch den Standort an Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr. Ohne die App und ohne aktivierte Standort-Funktion können die Behörden dagegen nicht ermitteln, wo sich gerade jemand befindet.

Aber: In Deutschland ändert sich die automatische Lokalisierung von Anrufern in Zukunft. Seit Oktober 2019 wird mit der Advanced Mobile Location (AML) eine EU-Richtlinie umgesetzt, die sicherstellen soll, das Menschen in Notlage geortet werden können. AML ist sozusagen eine fortgeschrittene mobile Ortung.