Optisch sieht es super aus – für Landwirte und Landwirtinnen ist es etwas aufwendiger, aber für die Insekten extrem gut: Gestreifte Felder! Forschende haben herausgefunden, dass sich Bienen und Co. dort viel wohler fühlen.

Es könnte ein guter Weg sein, dem Insektensterben entgegenzuwirken – Forschende der Universitäten Kiel und Göttingen haben herausgefunden, dass es auf gestreiften Feldern viel mehr Insekten gibt. Wenn also beispielsweise Raps und Weizen in Streifen nebeneinander angelegt werden, sind dort 50 Insektenarten mehr zu finden, als auf Feldern, auf denen nur Raps oder nur Weizen angebaut wird, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper.

"Auf Streifen-Äckern mit Weizen und Raps leben über 50 Insektenarten mehr als auf den Äckern mit Reinkulturen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk Nova

Auch den Vögeln scheinen die Streifen zu gefallen – denn auf gemischten Äckern wurden doppelt so viele gezählt, was wiederum daran liegt, dass Vögel gerne dort sind, wo Insekten sind. Die Forschenden sagen, der Effekt für die Artenvielfalt sei durch die Streifen-Äcker genauso hoch, wie eine Umstellung auf Öko-Landwirtschaft.

Gestreifte Äcker bieten Insekten viele Vorteile

Aber was genau führt dazu, dass gerade gestreifte Äcker gut sind für die Artenvielfalt? Anne Tepper erklärt, dass es für die Insekten so sei, als lägen viele kleine Felder nebeneinander. Und das sei oft von Vorteil.

Schwebefliege braucht Raps und Weizen

Als Beispiel nennt sie die Schwebefliege. Dieses Insekt lebt im Raps, wo sie Nektar und Pollen sammelt. Ihre Eier legt die Schwebefliege aber gerne im Getreidefeld ab, also im Weizen, wo es Blattläuse gibt. Blattläuse sind nämlich das Futter für die Larven. Wenn das Getreide also direkt in der Nähe zum Raps steht, ist es für die Schwebefliege enorm von Vorteil – und dieses Prinzip lockt viele Insektenarten an.

Streifen-Äcker werden mit GPS gesät

Der Effekt der Streifen-Äcker wurde im vergangenen Jahr zunächst von einigen wenigen Landwirtschaftsbetrieben getestet. In diesem Jahr wollen mehr mitmachen. Laut Anne Tepper geht es den Landwirten und Landwirtinnen auch darum, ein Signal zu setzen, dass ihnen die Artenvielfalt wichtig ist. Negative Auswirkungen auf die Ernte konnten bisher nicht nachgewiesen werden, allerdings kommt auf sie etwas mehr Arbeit und Logistik zu.

Um die Streifen auf den Feldern hinzubekommen, muss die Saat per GPS verteilt werden. Raps beispielsweise wird früher ausgesät als Weizen. Um also keine Lücken auf der Fläche zu haben oder doppelt auszusäen, muss alles genau berechnet werden.

Landwirte müssen umdenken

Eine weitere Herausforderung liegt darin, sich zu überlegen, was man im nächsten Jahr anbaut, denn wenn auf den Feldern immer das Gleiche wächst, ist das schlecht für den Boden, so Anne Tepper.

"Nach Raps darf zum Beispiel jahrelang kein Raps mehr gesät werden. Das ist sonst echt schlecht für den Boden. Man könnte dann Mais nehmen oder Kartoffeln."
Anne Tepper, Deutschlandfunk Nova

Von Reinkultur-Äckern auf gestreifte umzustellen, erfordert also ein Umdenken und auch neue Kenntnisse. Außerdem fallen wohl auch etwas mehr Kosten an, sagen die Forschenden. Insgesamt sei das für den Effekt, den die Streifen-Äcker möglicherweise haben, aber relativ überschaubar und hätte gegebenenfalls für Landwirte und Landwirtinnen den Vorteil, dass sie keine Flächen für Naturschutzgebiete opfern müssen.