Wer vor der Internetsucht warnt, gilt schnell als technophob. Doch es gibt sie. Bert te Wildt kann von Menschen erzählen, die unter dem Schreibtisch einen Eimer stehen haben, damit sie nicht eine Minute vom Computerspiel verpassen.

In den letzten Jahren kommen regelmäßig verstörte Jugendliche und Erwachsene in die Sprechstunde von Bert te Wildt. Der Oberarzt und Leiter der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum behandelt Internet- und Computerspielabhängige. Die häufigsten Suchtbereiche sind:

  1. Online-Spiele
  2. Cybersex
  3. Soziale Netzwerke

Es ist nicht immer einfach eine echte Sucht zu diagnostizieren. Manche Menschen schickt te Wildt auch nach Hause. Das Entscheidende ist, sagt er, dass das Digitale das Analoge beeinflusst. Manche Süchtige vernachlässigen zum Beispiel wegen des Internets ihre Freunde, ihre Partnerschaft, andere versorgen ihre Kinder nicht mehr richtig, wieder andere gehen nicht mehr in die Schule, zur Uni oder zur Arbeit.

Kindern kein Tablet geben

In Extremfällen würden manche Menschen nur noch vor dem Bildschirm sitzen und zum Beispiel ein Spiel spielen. Manchmal steht dann unter dem Schreibtisch ein Eimer um die Zeit für den Gang ins Badezimmer zu sparen.

Bert te Wildt behandelt Erwachsene, die lernen müssen, bestimmte Bereiche des Internets zu meiden. Vor allem aber plädiert er an die Eltern, Kinder nicht zu früh mit allem Digitalen zu überhäufen. Kinder müssten erstmal ihren Körper kennenlernen und eine innere Medialität entwickeln (zum Beispiel über Bilderbücher), bevor sie auf einem Tablet Bilder nach links und rechts wischen.

"Das klingt so konservativ, aber ein Pferd live gesehen zu haben, ist für ein Kind etwas anderes als das Pferd am Computer."
Bert te Wildt, Oberarzt und Leiter der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum