Er steht auf IT-Unternehmen und jetzt hat er sich Anteile von Twitter gesichert. Wer ist Prinz Al-Walid bin Talal?

Ein saudi-arabischer Milliardär ist gerade zum zweitgrößten Aktionär von Twitter aufgestiegen. Saudi-Arabien? Twitter? Passt irgendwie nicht ganz zusammen, die Kombination, könnte man meinen. Was Prinz Al-Walid bin Talal und seine Holding-Gesellschaftmit Twitter wollen? Sicherlich nicht dafür sorgen, dass die Zahl an kritischen Tweets über Saudi-Arabien steigt. Aber das Gute ist: verhindern können sie es nicht. Der Kapitalanteil liegt derzeit bei gut 5 Prozent. Bestimmenden Einfluss auf die Firmenpolitik haben sie damit nicht.

Fairerweise muss man sagen, dass Al Walid aus einem relativ liberalen Elternhaus stammt. Er hat in den USA studiert und seine Investments waren bislang selten politisch motiviert. Der Prinz hält Anteile an Apple, der News Corp, der Citibank oder auch an Hotels. Und bei letzteren hat er sich schon den Unmut der Konservativen zugezogen, weil in den Hotels, an denen er Anteile hält, Alkohol ausgeschenkt wird. Die News-Corp-Sender berichten auch nicht gerade islamfreundlich. Dass sich nun bei Twitter durch den Großaktionär etwas politisch verändert, ist also sehr unwahrscheinlich.

Ausschweifender Lebensstil

Al Walid geht es offenbar ums Geld. Der Enkel des Staatsgründers hat einen ausschweifenden Lebensstil und offensichtlich kein Problem mit seinem Reichtum, wie es die ARD-Kollegen in einem Porträt beschrieben haben. Im Gegenteil: Der Prinz hatte sogar Stress mit dem Magazin Forbes, weil die Journalisten ihn auf der Liste der Superreichen nur auf Platz 26 geführt haben. Er sei in Wahrheit viel reicher, betonte der Prinz. Was er mit dem Reichtum am Ende machen will, ist wohl auch schon klar. Sein Vermögen möchte er für wohltätige Zwecken spenden - vielleicht ein zweiter Bill Gates werden.

"Der Prinz könnte kritische Tweets über Saudi-Arabien nicht verhindern, weil sein Kapitalanteil bei 5 Prozent liegt. Das ist viel zu wenig, um bestimmenden Einfluss auf die Firmenpolitik zu haben."
Netzautor Andreas Noll

In jedem Fall scheinen es ihm IT-Unternehmen angetan zu haben. Da wittert er zumindest das große Geschäft. Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase hat der Prinz gut eine Milliarde Dollar in amerikanische Firmen investiert. Amazon, Ebay - und später dann Twitter. Die Facebook-Aktie war ihm übrigens beim Börsengang zu teuer.

Bislang konzentrieren sich die Berichterstattung und auch die Kommentare im Netz sehr stark auf Al Walid konzentrieren - und nicht auf mögliche politische Konsequenzen. Dabei zeigt sich gerade heute wieder, wie repressiv Saudi-Arabien ist. Auf einer staatlichen Website haben die Behörden jetzt damit gedroht, Leute hinzurichten, die Gerüchte über die Regierung via Facebook und Twitter verbreiteten. Nur die "schlechtesten Verbreiter von Gerüchten" würden hingerichtet, die anderen mit Peitschenhieben, Gefängnis, Hausarrest und Verbot sozialer Medien bestraft.

Twitter ist in Saudi-Arabien sehr verbreitet. Wir haben es hier mit einer jungen, technisch versierten Bevölkerung zu tun. Anfang 2014 gab es dazu sogar einen Hashtag: Warum ist Twitter in Saudi-Arabien so erfolgreich? Hieß der. Damals verschickten die Saudis gut 150 Millionen Tweets pro Monat. Es gibt im Netz keine völlige Freiheit, aber relativ ist sie deutlich größer als im sonstigen Leben in Saudi-Arabien.