Israel steht vor dem zweiten Lockdown. Dieser wird das Land vermutlich nicht völlig vom Coronavirus befreien, sagt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori, aber Neuinfektionen vermeiden.

Als weltweit erster Staat verhängt Israel vom 18. September an einen zweiten Lockdown. Denn: Die Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 sind innerhalb weniger Wochen stark angestiegen.

Illegale Feste und Feiern mit Hunderten Menschen, die die Corona-Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ignoriert haben, sollen wesentlich für die vielen Neuinfektionen gesorgt haben.

Besonders viele junge Israelis fühlen sich wenig durch das Coronavirus gefährdet. Auch in vielen Teilen ultraorthodoxer Gemeinschaften ist die Zahl der Infizierten vergleichsweiche hoch.

Drei Wochen landesweiter Stillstand

Auf die Warnung der zunehmend ausgelasteten Krankenhäuser des Landes, hat Israels Gesundheitsminister Yuli Edelstein nun zu Beginn der Woche einen erneuten harten Lockdown angekündigt. Für mindestens drei Wochen soll dann das öffentliche Leben in Israel wieder stillstehen.

Neben Schulen und Kitas müssen auch Hotels, Restaurants und Einkaufszentren schließen. Der Zutritt zu Synagogen wird eingeschränkt. Die Menschen dürfen dann nur zum Einkaufen, den Gang zum Arzt oder zur Apotheke das Haus verlassen. Ohne triftigen Grund dürfen sie sich nicht mehr als 500 Meter von ihrer Wohnung entfernen.

Lockdown als Notbremse

Damit zieht die israelische Regierung offenbar die Notbremse, sagt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori. Den Zeitraum zwischen der Ankündigung des Lockdowns und dem eigentlichen Beginn sieht sie als eine Art Bewährungszeit für die Bevölkerung seitens der Regierung.

Sollten die Israelis in diesen wenigen Tagen zeigen, dass sie den Corona-Auflagen nachkommen und diese ernst nehmen, könnte das positive Auswirkungen auf den bevorstehenden Lockdown haben, vermutet die Wissenschaftsjournalistin. Entweder könnte dieser milder oder kürzer ausfallen, als von der israelischen Regierung bisher geplant.

"Je mehr Infektionen in einem Land schon geschehen sind, desto schwieriger wird es, desto länger dauert es, das wieder einzufangen."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Unabhängig davon wird das Coronavirus Israel auch nach einem erneuten Lockdown weiter beschäftigen, schätzt sie. Das Land werde vermutlich auch nicht nach einem strikten dreiwöchigen Shutdown völlig frei von dem Virus sein. Denn dafür seien die Infektionszahlen aktuell zu hoch. Was aber wahrscheinlich ist, sind weniger Neuinfektionen durch einen Lockdown, so Christina Sartori, und damit auch eine Entlastung für die Krankenhäuser.

Weltweiter Lockdown undenkbar

Auch ein weltweiter dreiwöchiger Lockdown würde nicht helfen, um das Coronavirus drastisch einzudämmen, erklärt sie. Dafür ist das Virus auf der ganzen Welt bereits zu weit verbreitet. Zumal das auch die Wirtschaft zu stark belasten würde, sagt sie. Stärker noch als der erste Shutdown zu Beginn der Pandemie in Deutschland. Vielmehr würden viele Menschen in Ländern ohne soziale Absicherung verarmen und Hunger leiden.

"Wir können auch nicht – auch aus wirtschaftlicher Sicht – bis zum Ende der Pandemie unsere Grenzen völlig dichtmachen, das ist eine absurde Vorstellung."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Keine Regierung strebe einen zweiten Shut- oder Lockdown an. Trotzdem nehmen in Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien und Tschechien die Neuinfektionen wieder zu. Das ist beunruhigend, sagt die Wissenschaftsjournalistin.

In Deutschland seien die aktuelle Zahl der Neuinfektionen noch akzeptabel – gerade auch wegen der vielen freie Intensivbetten. Hier sei es umso entscheidender, die Zahl auch langfristig mithilfe der Corona-Schutzmaßnahmen gering zu halten.