Massiver Wohnungsmangel in den Städten, Leerstand auf dem Land. Und es wird zu wenig gebaut. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat den Immobilienmarkt untersucht – insbesondere den Wohnungsbau. Wir haben mit einem Autor der Studie gesprochen.

In den Großstädten in Deutschland werden deutlich zu wenige Wohnungen gebaut – insbesondere in Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Köln. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. In Köln konnte demnach der Bedarf an Neubauwohnungen seit 2016 nur zu 46 Prozent gedeckt werden.

"283.000 Wohnungen haben wir in den Jahren 2016, 2017, 2018 errichtet. Insgesamt wären 342.000 erforderlich gewesen. Es wurden nur 83 Prozent der eigentlich gebrauchten Wohnungen errichtet."

Die IW-Autoren Ralph Henger und Michael Voigtländer haben die Zahl der 2016 bis 2018 fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf verglichen. Diesen schätzten sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Leerständen. Gründe für die Misere sind der Studie zufolge der hohe Zuzug in die Städte, das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft.

Wachstum im Speckgürtel

Das Bevölkerungswachstum in den Ballungsräumen sei insbesondere durch Zuzug so stark, dass Bauvorhaben nicht hinterherkämen. Berlin wächst laut IW-Studie jedes Jahr um 48.000 Einwohner, Hamburg um fast 20.000, München um gut 10.000 und Köln um knapp 10.000 Einwohner. Aktuell wachsen außerdem Umlandgemeinden um die Ballungszentren herum, weil insbesondere Familien ihren Platzbedarf innerhalb der Städte nicht decken können, sagt Ralph Henger.

Die Entwicklung in den meisten Ballungszentren steht im krassen Gegensatz zu vielen ländlichen Regionen. Ralph Henger spricht von einer Art gespaltener Republik. Dieser Zustand sei seit Jahren konstant. Sehr dynamische Wachstumsräume lägen teilweise unmittelbar neben Regionen in denen Leerstand ein Problem darstellt. In Deutschland stehen der Studie zufolge abseits der Ballungszentren rund zwei Millionen Wohnungen leer. Ein Missverhältnis, an dem sich in naher Zukunft nichts ändern werde, vermutet Ralph Henger.

"Langfristig glauben wir, dass Städte weiterhin hochattraktiv bleiben werden, weil dort die meisten Jobs entstehen."

Ralph Henger geht davon aus, dass sich die beschriebenen Trends abschwächen ließen, wenn der ländliche Raum durch Infrastrukturmaßnahmen aufgewertet werden würde. Konkret nennt er 5G-Ausbau und Abschwächung des ländlichen Ärztemangels. Öffentlicher Wohnungsbau ist nicht ausdrücklich Gegenstand der Studie.