Jeder von uns hat Ziele - und die können ganz unterschiedlich sein: Manche träumen von einer Weltreise, andere von einer eigenen Familie. Vielleicht wollen wir abnehmen, weniger shoppen oder endlich mehr Geld auf die Seite legen. Wie wir unsere Ziele erreichen können, weiß Sozialpsychologin Janina Steinmetz. Sie forscht als Konsumentenpsychologin zu Themen wie Selbstkontrolle und Motivation.

Manchmal fällt es uns schwer, zu widerstehen. Warum nicht noch diesen Kuchen essen? Warum nicht ein neues Handy kaufen? Warum ausgerechnet diesen Monat Geld auf die hohe Kante legen?

Die Welt um uns herum ist voller Versuchungen - gerade, wenn es um Konsum geht. Denn es braucht nur ein paar Klicks, und schon haben wir uns im Netz bestellt, worauf wir gerade Lust haben, ganz spontan und bequem.

"Ich arbeite im Bereich Grundlagenforschung und versuche zu verstehen: Wie funktioniert Selbstkontrolle, wie funktioniert Motivation, wie funktioniert es, Ziele zu erreichen?"
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin

Janina Steinmetz forscht an der Cass Business School der Universität London und beschäftigt sich unter anderem mit der Selbstkontrolle von Konsumenten.

Wenn wir uns die Versuchung kleinreden

Selbstkontrolle fällt vielen schwer, sagt sie. Und das gilt für den Konsum ebenso wie für ganz alltägliche Dinge. Wollen wir zum Beispiel weniger Süßes essen, scheitern wir oft. Der fehlerhafte Gedanke dabei: "Es ist ja nur dieses eine Mal". So reden wir uns die Versuchung klein, sagt Janina Steinmetz. Und das führt dazu, dass wir meinen, es lohne sich ohnehin nicht, zu widerstehen.

"Was ganz gut funktioniert, ist, sich selbst auszutricksen, die eigene Selbstkontrolle quasi auszulagern und zu sagen: 'Ich muss der Schokolade gar nicht widerstehen, wenn ich gar keine Schokolade zu Hause habe.'"
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin

Wenn wir an die ganze Summe der vermeintlich kleinen Ausnahmen denken, und an das Ziel, das wir erreichen wollen - zum Beispiel weniger zu essen - dann ergibt sich ein anderes Bild. "So erkenne ich: Das stimmt nicht mit meinen Zielen überein", sagt die Sozialpsychologin.

Regeln etablieren

Was außerdem gut hilft: Erst gar nicht in die Versuchung kommen. Wir sollten also nicht hungrig einkaufen gehen, wenn wir wissen, dass dann Lebensmittel im Einkaufskorb landen, die wir eigentlich gar nicht wollen.

"Das ist eine gute Möglichkeit, wie man seine Ziele verfolgen kann: Dass man es sich selbst so einfach wie möglich macht und so wenig Entscheidungen wie möglich Tag für Tag trifft, sondern ganz viel automatisiert."
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin

Indem wir uns selbst ein wenig austricksen, helfen wir uns dabei, konsequent zu bleiben. "Automatisieren" nennt das Janina Steinmetz. Wir können also gute Regeln und Gewohnheiten etablieren, die uns unterstützen. Etwa: Nichts kaufen, das wir nicht essen wollen. Oder beim Sparplan: Das Geld automatisch monatlich abbuchen lassen.

Wir müssen es uns einfach machen

Es sich selbst so einfach wie möglich zu machen - das sei der Weg zum Erfolg, sagt Janina Steinmetz. Um nicht tagtäglich schwere Entscheidungen treffen zu müssen, können wir vorsorgen: Gesunde Snacks dabei haben etwa.

Dieses Prinzip gelte auch für andere Lebensziele. Eine gute Regel für Leute, die zu viel shoppen, kann es sein, erst mal eine gewisse Zeit verstreichen zu lassen, rät die Sozialpsychologin. Vielleicht ist der Wunsch nach einem Tag gar nicht mehr so groß.

"Wenn man sich die Gewohnheit schafft, bei allem, was man haben möchte, erst mal drüber zu schlafen - so kann man sich selber austricksen."
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin

Wir wollen das haben, was andere haben

Prinzipiell sollten wir uns klar machen: Wir sehen den Konsum der anderen immer nur von außen. Wir sehen nicht, ob jemand Schulden hat oder glücklich ist. Social Media kann den Wunsch nach Konsum verstärken. Doch die schicken Bilder auf Instagram und Co. können täuschen: "Da poste ich natürlich meinen schicken Urlaub, und nicht, wie ich vielleicht vier Mal hintereinander Nudeln ohne alles gegessen habe", sagt Janina Steinmetz.

"Menschen denken oft, dass andere sie wertschätzen für ihren Erfolg oder für das, was sie erreicht haben. Was Menschen bei anderen suchen, ist aber eigentlich eine menschliche Beziehung, menschliche Wärme."
Janina Steinmetz, Sozialpsychologin

Und mit einem falschen Gedanken räumt die Sozialpsychologin auch noch auf: Menschen denken oft, dass andere den eigenen Erfolg wertschätzen oder Statussymbole, sagt sie. Doch das sei nicht so. Was die anderen interessiere, sei vielmehr die eigene Geschichte, beispielsweise, wie wir etwas erreicht haben oder Hindernisse überwunden haben. "Das weckt Emotionen."