Bernd lebt in Japan. Sieben Jahre lang hat er als Fake-Priester dort gearbeitet. Immer sonntags hat er Paare getraut, die dieses Event haben wollen - mit Schleier, Kuss und Torte. 

Zugegeben, es ist ein etwas merkwürdiger Nebenjob. Aber Bernd (seinen Nachnamen möchte er nicht nennen) hat ihn immer gern gemacht. Denn er brachte ihm gutes Geld und machte Spaß. In Robe und nach festgelegtem Skript hat er als Fake-Priester japanische Ehepaare in einer christlichen Zeremonie getraut.

Ein richtiger Fauxpas ist Bernd in all den Jahren nicht passiert. Doof wäre gewesen, wenn er die Namen des Brautpaars vertauscht hätte, sagt er. Aber einmal, da wurden alle nervös; da hat eine Assistentin der Braut die Handschuhe ausgezogen, damit ihr Ehemann ihr den Ring anstecken konnte. Dummerweise zog sie alle falschen Fingernägel direkt mit ab. Das sah natürlich nicht so schön aus - unglücklicherweise alles in dem Moment, in dem das Foto geschossen werden sollte. 

Event-Trauung nach Skript

Eine Trauung nach christlichem Vorbild dauert in Japan 13 Minuten. Bernd, der Fake-Priester, traut das Brautpaar in einer Fake-Kapelle. Alles soll so aussehen, wie bei Hochzeiten in Hollywood. Die Braut in Weiß, mit Schleier, der Mann trägt Frack, die Ringe werden getauscht, es gibt den Moment, in dem der Bräutigam die Braut küssen darf und später Kutsche und Torte. Die Japaner stehen drauf und lassen es sich einiges kosten. "So eine Hochzeit kostet pro Gast zwischen 250 Euro und 300 Euro", sagt Bernd. In der Regel seien es zwischen 50 und 100 Gästen.    

"Es gibt mehrere Agenturen, die Fake-Hochzeiten vermitteln. Die Branche verdient im Jahr in Japan 25 Milliarden Euro."
Bernd, über Kosten und Einnahmen

Auch wenn die Paare viel Geld für eine Fake-Hochzeit bezahlen, wissen sie doch, dass sie nicht wirklich christlich getraut sind. Ihnen geht es in erster Linie um das Event - und um die Fotos. Auch die Stellen, an denen fotografiert wird, stehen im Skript. Bernd konnte seinen Text schnell auswendig, erzählt er. Gutes Japanisch ist für Fake-Priester Pflicht. Seinen Job hat er immer von Herzen gern gemacht, sagt er.

"Ich habe das immer mit viel Freude und Liebe gemacht. Und ich habe das auch immer mit einer christlichen Haltung gemacht."
Bernd über seinen Job als Fake-Priester

Bernd hofft, dass er vielen Paaren eine schöne Trauung und damit einen guten Start in die Ehe bereitet hat. Immerhin, er ist tatsächlich getauft und konfirmiert, in Deutschland aber aus der Kirche ausgetreten. Seine Priester-Robe hat er noch im Schrank - auch wenn er den Job seit zwei Jahren aus Zeitgründen nicht mehr macht.

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