Der Krieg im Jemen nimmt kein Ende. Doch jetzt ist eine Unterbrechung der Kämpfe zwischen Huthi-Rebellen und der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition in Sicht – auf Druck der USA. Wir haben mit dem Islamwissenschaftler Guido Steinberg über die Lage in der Region und die Machtverhältnisse dort gesprochen.

Der Rebellenchef Mohammed Ali Al-Huthi hat seine Kämpfer aufgerufen, den Beschuss durch Raketen und Drohnen auch gegen Saudi-Arabien einzustellen, um die Friedensbemühungen der USA und der UN zu unterstützen. Des Weiteren bot der Huthi-Politiker am Montag (19.11.2018) an, alle Militäroperationen einzustellen, um Frieden zu schaffen. Seine Friedensbereitschaft hatte der Rebellenchef immer wieder betont, zuletzt vor rund einer Woche in einem Artikel in der Washington Post.

Guido Steinberg ist Islamwissenschaftler und arbeitet für die Stiftung Wissenschaft und Politik. Er erklärt, dass sich damit ein entscheidender Parameter in dem Konflikt verändert hat: Die USA – also Verteidigungsminister Außenminister James Mattis und Außenminister Mike Pompeo – haben eine Waffenruhe gefordert und sie haben den Konfliktparteien dafür auch eine Frist von 30 Tagen gestellt, um die Waffen niederzulegen.

Der Islamwissenschaftler glaubt, dass diese Forderung Früchte tragen könnte, weil sowohl Saudi-Arabien als auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in dem Konflikt von der Unterstützung durch die USA abhängig sind. Es geht dabei um Waffenlieferungen, aber auch um Luftbetankung von Flugzeugen und um Informationen.

Frieden als Erfolg für die Huthi

Die Huthi-Rebellen sind eine recht kleine Organisation, die zwar in den vergangenen Jahren gewachsen sei, aber auch viel schwächer sei als Saudi-Arabien und die VAE. Guido Steinberg geht davon aus, dass die Huthi-Rebellen gar keine andere Wahl haben, als auf die Bemühungen der USA und der UN einzugehen. Deswegen hätten sie allen Grund, nun Frieden anzustreben und ihre Gebiete im Norden des Landes zu stabilisieren.

"Wenn sich die Huthi in irgendeiner Form halten können – gegen diese reichen und mächtigen Nachbarn, dann ist das für sie ein Erfolg."
Guido Steinberg, Islamwissenschaftler, Stiftung Wissenschaft und Politik

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen mit dem Krieg sehr ehrgeizige Ziele, sagt Steinberg: "Sie wollen auf jeden Fall, dass sich die Huthis nicht nur aus der Hauptstadt Sanaa zurückziehen, sie wollen auch, dass die Bewegung entwaffnet wird." Ihre Argumentation: Die Huthis seien eine jemenitische Hisbollah, die eine existenzielle Bedrohung des Königreichs Saudi-Arabien darstellt. Sollte es – auf der Basis der aktuellen Frontlinien – jetzt tatsächlich zu einem Waffenstillstand kommen, hätten sie ihr Ziel allerdings nicht erreicht.

"Die jemenitische Regierung ist eine Marionette der Saudis. Die jemenitische Regierung hat überhaupt keinen Einfluss auf diesen Konflikt. Sie ist kein Akteur."
Guido Steinberg, Islamwissenschaftler, Stiftung Wissenschaft und Politik

Die jemenitische Regierung habe überhaupt keinen Einfluss auf diesen Konflikt, so Steinberg. Sie stelle einige Truppen, die unter dem Kommando der emiratischen Streitkräfte agieren, aber sie ist kein Akteur. Die faktische Regierung im Jemen wird derzeit von den Huthi-Rebellen gestellt, die ehemalige Regierung, die zum Teil in Riad und in Aden sitzt, hat überhaupt keinen Einfluss auf den Konflikt. 

Im September waren Friedensgespräche gescheitert, bevor sie überhaupt begonnen hatten. Die Huthi-Rebellen waren nicht nach Genf gereist. Sie warfen dem Regierungslager vor, ihre Bedingungen für eine Teilnahme nicht vollständig erfüllt zu haben. Dazu zählte auch eine Garantie, nach den Friedensgesprächen in Genf nach Sanaa zurückkehren zu können.

Sunniten gegen Schiiten

Im Jemen herrscht seit 2015 ein Krieg zwischen den vom Iran unterstützten und überwiegend schiitischen Huthi-Rebellen und den von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Nach UN-Angaben wurden bis zum Sommer 2016 bereits rund 10.000 Menschen in dem Konflikt getötet, unter ihnen tausende Zivilisten. Infolge des Krieges benötigen rund 22 Millionen Einwohner humanitäre Hilfe, stellten die UN im April 2018 fest. Für sie ist das die größte humanitäre Krise unserer Zeit.

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