Für manche Beobachter ist der gerade aufgedeckte Kontakt zwischen Trump jr. und der Enthüllungsplattform Wikileaks ein weiterer Beleg für unlautere Machenschaften des Trump-Lagers. Andere fragen sich: Was waren eigentlich die Motive von Wikileaks? 

Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs um den Einzug ins Weiße Haus, stand Donald Trump jr., Sohn des jetzigen Präsidenten, in Kontakt zur Enthüllungsplattform Wikileaks. Das hat die Zeitung The Atlantic gerade aufgedeckt.

Schon im Wahlkampf hatte Wikileaks interne E-Mails der Demokraten, der Partei von Hillary Clinton, veröffentlicht - eine Aktion, die Clinton vermutlich sehr geschadet hat. Netzreporter Michael Gessat von Deutschlandfunk Nova fragt sich, welche Agenda Wikileaks da eigentlich verfolgt und sieht die Rolle von Wikileaks sehr kritisch. 

"Der jetzt aufgedeckte Kontakt ging ja von Wikileaks aus, die hatten Trump jr. über Direktmessages angetwittert – und zwar in einem sehr kumpelhaften Ton."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

In den Messages wurden bizarre Vorschläge und Wünsche geäußert: dass Wikileaks eine Steuererklärung von Trump senior haben und leaken wolle, dass Trump im Fall einer Wahlniederlage diese nicht anerkennen sollte - bis hin zu einem Botschafterposten für Julian Assange. Für eine Plattform, die für Transparenz sorgen will, klingt das nicht sehr unparteilich. Die Unvoreingenommenheit, mit der Wikileaks vor vielen Jahren angetreten ist, scheint verpufft. Oder war sie überhaupt je vorhanden?

Die wichtigsten Leaks:

  • 2010: Die Enthüllungen von Bradley (jetzt Chelsea) Manning aus dem US-Militär über sogenannte Kollateralschäden an Zivilisten haben zurecht Empörung ausgelöst.
  • 2010: Die Veröffentlichung der Cable-Gate-Dokumente, den internen Memos aus der US-Diplomatie, warf bereits die Frage nach dem Verhältnis von Erkenntnisgewinn zu Schaden auf.  
  • 2016: Beim Leaking von Hundertausenden Mails der türkischen Regierungspartei AKP kurz nach dem Putschversuch in der Türkei war der Inhalt völlig banal. Dafür hat Wikileaks aber eine Menge Leute in Schwierigkeiten gebracht.
"Ich habe den Eindruck, dass nur noch eine Handvoll Leute für Wikileaks arbeiten. Theoretisch könnte das auch inzwischen ein Ein-Mann-Projekt sein."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova
Sarah Harrison, Investigativ-Redakteurin bei Wikileaks in Genf am  26. Januar 2015
© dpa
Die Anwätin Sarah Harrison trat als Wikileaks-Mitarbeiterin auf, als sie 2013 Edward Snowden von Hongkong nach Russland begleitete. Sie gilt als Assanges enge Beraterin.

The Register nennt Wikileaks inzwischen boshaft "Assange.org". Wikileaks Gründer und Aushängeschild Julian Assange sitzt immer noch in der Botschaft von Ecuador in London. Er hat sich zu dem Kontakt zu Trump jr. geäußert und versucht, es als subversive Aktion darzustellen, Trump zu einem Selbst-Leak zu bequatschen.

"Assange hat ganz offenbar die Hoffnung gehabt, von einem Präsidenten Trump, dem er mit dem Leak der Demokraten-Emails geholfen hat, amnestiert zu werden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Auch wenn Assanges Angst vor einer Auslieferung in die USA nachvollziehbar ist, diskreditiert das trotzdem die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Plattform Wikileaks. Das findet auch das Tech-Magazin Wired und schreibt: "Wikileaks hat in den letzten Jahren agiert und getwittert wie ein Internet-Troll mir eigener Agenda."   

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