Piep, piep! Nein, nicht jeder Jungvogel, der piepsend auf der Wiese hockt, braucht deine Hilfe. Er unternimmt womöglich gerade seine ersten Flugversuche. Meist ist die Mutter nicht weit. 

Es ist ein Impuls, den viele von uns haben: sehen sie einen kleinen, piepsenden Vogel irgendwo scheinbar hilflos sitzen, wollen sie helfen. Nehmen den kleinen Piepmatz in die Hand. Und bringen ihn womöglich in eine Auffangstation. Doch das ist keine gute Idee, denn meinst brauchen die Jungvögel unsere Hilfe gar nicht.

"Du solltest einen kleinen Vogel nicht aufheben. Außer du siehst, dass der Vogel schwer verletzt ist."
Sebastian Rams, DRadio Wissen

Wenn das Tier also flauschig und verlassen auf dem Boden sitzt - erst mal Ruhe bewahren. Auch wenn das Vögelchen vielleicht hilflos wirkt. Es kann ganz einfache Gründe haben, warum es da sitzt.

Erst mal beobachten

"Die meisten Jungvögel sind noch nicht ganz flügge und völlig befiedert, wenn sie aus dem Nest gehen. Das Wichtigste ist, dass man zwei bis drei Stunden erst mal beobachtet, ob diese Jungvögel wirklich von ihren Eltern verlassen sind."
Lars Lachmann vom Naturschutzbund Nabu

Solange wir Menschen in der Nähe stehen, lassen sich die Vogel-Eltern natürlich nicht blicken. Also: Rückzug - und abwarten. Dann kann die Mutter wieder aus ihrem Versteck kommen und sich um das Jungtier kümmern, das gerade vielleicht zum ersten Mal sein Revier erkundet.

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Unbefiederte Vögel gehören zurück ins Nest

Eine andere Sache ist es, wenn da auf dem Boden ein ganz nacktes Vögelchen sitzt, noch ohne Federkleid. So ein "Nestling" gehört in jedem Fall ins Nest und sollte dorthin zurück gebracht werden. Und keine Angst vor dem Mythos, dass die Eltern ihre Jungen verstoßen, weil der Geruch von uns Menschen an ihnen haftet. Das stimmt nicht.

"Es ist definitiv nicht richtig bei Vögeln, dass Eltern ihre Jungtiere verstoßen, wenn an ihnen Menschengeruch anhaftet. Das ist eine Regel, die kommt von den Säugetieren, wo das tatsächlich so ist."
Lars Lachmann vom Naturschutzbund Nabu

Handaufzucht ist immer schwierig

Eines sollte man sich merken: eine Handaufzucht ist laut Nabu immer nur die zweitbeste Wahl, denn die Überlebenschancen sind für das Tier gering. Also nur wenn sich nach längerer Zeit kein elterlicher Vogel blicken lässt, sollten wir das Jungtier mitnehmen, selbst päppeln oder in eine Auffangstation bringen.

Hilfe von Fachleuten

Wo es Hilfe für kleine Vögel oder Auffangstationen gibt, das kann man beim Nabu, bei Naturschutzbehörden, Tierärzten oder Tierschutzvereinen erfragen. 

Die kümmern sich dann um eine tiergerechte Aufzucht und vermeiden in der Regel auch eine Fehlprägung des Vogels, die eine spätere Wiederauswilderung unmöglich macht.