Katar wird inzwischen seit knapp einem Monat von seinen Nachbarn blockiert - von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten. Die Staaten haben Katar ein Ultimatum gesetzt und Forderungen aufgestellt - u.a. soll das Land seine Beziehungen zum Iran abbrechen. Kuweit und auch der deutsche Außenminister versuchen gerade noch eifrig, zu vermitteln. Soweit die große Politik, aber wie wirkt sich diese Blockade eigentlich konkret auf den Alltag in Katar aus? 

"Die Supermarktregale sind inzwischen wieder gut gefüllt", sagt Kathrin Lemke. Sie ist Repräsentantin der Deutschen Auslandshandelskammern in Katar und lebt seit September 2016 in dem Land. Was sich verändert habe, sei die Auswahl. Bis vor Kurzem kamen Milchprodukte aus Saudi Arabien, jetzt sieht man mehr türkische, iranische oder auch einheimische Waren in den Läden. Und ein bisschen teuer seien die Lebensmittel jetzt auch.

Kathrin lebt in der Hauptstadt Doha. Katar ist aber ein sehr kleines Land, etwa halb so groß wie Hessen. Darum lassen sich die Erlebnisse von Kathrin Lemke auch auf das restliche Land beziehen. 

Kathrin Lemke, Repräsentantin der Deutschen Außenhandelskammern in Katar
© Kathrin Lemke
Kathrin Lemke ist die Repräsentantin der Deutschen Auslandshandelskammern in Katar und lebt in Doha.

Als Repräsentantin der Deutschen Auslandshandelskammern muss Kathrin unter anderem oft in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) reisen. Dadurch aber, dass es derzeit keine Direktflüge in die Nachbarländer gibt, dauern die Wege ein Vielfaches länger, erzählt sie: "Ich kann noch in die VAE reisen, allerdings nur über den Umweg über den Oman. Für eine Strecke, für die ich normalerweise 45 Minuten gebraucht habe, muss ich jetzt viereinhalb bis fünf Stunden Flugzeit einplanen." Das Ticket kostet sie im Moment außerdem ungefähr doppelt so viel wie sonst.

"Dieses Mal hat es eine neue Eskalationsstufe erreicht und es ist relativ schwer abzusehen, was passieren wird. Das sorgt schon für eine gewisse Verunsicherung."​
Kathrin Lemke, Repräsentantin der Deutschen Auslandshandelskammern in Katar

In der Region am Golf gab und gibt es immer wieder Spannungen zwischen einzelnen Staaten. Menschen, die schon länger dort leben, wissen das und gehen dementsprechend mit der Situation um, sagt Kathrin Lemke. Noch habe sie keine Angst und denke auch noch nicht darüber nach, das Land zu verlassen. Aber sie sagt auch: "Man muss die Situation natürlich weiter verfolgen und schauen, was passiert."

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