Für Wildtiere sind gewöhnliche Hauskatzen so gefährlich, dass sie eigentlich nicht alleine vor die Tür dürfen. Eine Leinenpflicht oder ein Ausgehverbot für die kleinen Raubtiere sei in geltendem EU-Recht bereits angelegt, schreiben zwei niederländische Juristen.

Hauskatzen sollten nirgends in der EU frei herumlaufen. Die kleinen Raubtiere seien eine massive Bedrohung für die Artenvielfalt. Bereits die bestehenden EU-Umweltschutzrechte zum Vogel- und Wildtierschutz würden ein Ausgangsverbot für Hauskatzen erzwingen, so schreiben die niederländischen Juristen Arie Trouwborst und Han Somsen von der Universität Tilburg.

Ihr Gutachten haben sie unter dem Titel "Domestic Cats (Felis catus) and European Nature Conservation Law" im Journal of Environmental Law veröffentlicht. Die Hauskatze bedrohe weltweit den Bestand von mindestens 367 Arten. Die Autoren weisen darauf hin, dass einheimischen Tier- und Pflanzenarten durch europäisches Recht unter besonderem Schutz stehen.

"Sie fangen und töten sehr viele Tiere und verbreiten Krankheiten. Und sie vernichten einheimische Arten wie Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien, das ist breit gefächert."

Arie Trouwborst und sein Kollege schätzen, dass die etwa 2,5 Millionen Hauskatzen in den Niederlanden jedes Jahr gut 140 Millionen Tiere töten. Für zwei Drittel davon wären Hauskatzen verantwortlich, die eigentlich in Haushalten leben und Eigentümer haben. Außerdem gehen die Juristen davon aus, dass Hauskatzen bisher 40 Vogel- und 21 Säugetierarten auf dem Gewissen haben.

Die tödliche Katze des Leuchtturmwärters

In Deutschland müssen Hauskatzen nicht gemeldet werden. Es gibt hierzulande schätzungsweise zwischen acht und 15 Millionen. Manche schätzen, dass diese Katzen jährlich rund 200 Millionen Vögel töten. Lars Lachmann, Vogelexperte vom Naturschutzbund, hält das für übertrieben.

"Diese 200 Millionen sind extrem unwahrscheinlich, denn es gibt in Deutschland nach der Brutzeit inklusive Jungvögel nur etwa 500 Millionen Vögel. Da müssten jedes Jahr die Hälfte davon von Vögeln gefressen werden."
Lars Lachmann, Vogelexperte, Naturschutzbund

Der Naturschutzbund geht davon aus, dass eher 20 bis 100 Millionen Vögel jährlich von Katzen getötet werden. Ein gesichertes Beispiel dafür, dass Hauskatzen für das Verschwinden einer Art verantwortlich sind, ist der Stephenschlüpfer – eine neuseeländische Vogelart. Sie kam auf der Stephens Island vor, einer winzigen neuseeländischen Insel. Ein Leuchtturmwächter brachte dann Stubentiger Tibbes auf die Insel. Und die Katze war das Ende der kleinen, grünen Vogelart. Fliegen konnten die Tiere dieser Art nämlich nicht.

Artenschutzrecht streng ausgelegt

Arie Trouwborst und Han Somsen legen das Europäische Artenschutzrechts recht streng aus. Sie folgern, dass die Katzen vom Töten der Vögeln und der anderen Wildtiere abgehalten werden müssen. Im Artenschutzrecht sei festgeschrieben, dass jede absichtlich in Kauf genommene, potentielle Tötung eines geschützten Tieres verboten ist. Hauskatzen gehören ihrer Meinung nach ins Haus - oder eben an die Leine.

Streunende Katzen leben von Vögeln und anderen Wildtieren

Lars Lachmann vom Naturschutzbund ist hingegen der Ansicht, dass diese strenge Auslegung so in Deutschland praktisch nicht umsetzbar ist. Man sollte den Fokus außerdem besser auf die ungefähr ein bis zwei Millionen frei streunenden Katzen legen. Sie seien besonders problematisch, weil sie nicht gefüttert werden und sich fast ausschließlich von Vögeln und anderen Kleintieren ernähren.

"Diese Katzenpopulationen kann man leicht beseitigen. Man kann die fangen und kastrieren. Gleichzeitig müssten alle freigehenden Hauskatzen kastriert sein. Und damit man das umsetzen kann, müssten die auch registriert sein."
Lars Lachmann, Vogelexperte, Naturschutzbund

Claudia Wegworth ist Vogelexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz, der zweiten großen deutschen Naturschutzorganisation. Sie ist der Ansicht, dass mehr Katzen als reine Hauskatzen leben sollten, um dem Problem zu begegnen. Jede Hauskatze sollte außerdem einen Chip bekommen, so wie das bei Hunden auch gemacht werde.

"Man sollte Katzen chipen, genau wie Hunde. So dass man die dem Besitzer eben auch zuordnen kann."
Claudia Wegworth, Vogelexpertin, Bund für Umwelt und Naturschutz