1920 wurde in der Ostsee die letzte Kegelrobbe abgeschossen. Jetzt ist das Raubtier wieder zurück – aber nicht alle freuen sich darüber. 

Kegelrobben, die sich an Ostseestränden die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, kommen bei den meisten Strandspaziergängern gut an. Neugeborene Robbenbabys noch besser. Es ist noch nicht allzu lange her, da konnten die Spaziergänger diesen Anblick aber noch nicht genießen. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte es eine ostseeweite Kampagne zur Ausrottung der Kegelrobbe gegeben, sagt Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz. 

"Die Ausrottung der Kegelrobbe wurde mit preußischer Gründlichkeit in Deutschland so weit getrieben, dass die letzte Robbe 1920 auf Rügen abgeschossen wurde."
Henning von Nordheim, Bundesamt für Naturschutz

Grund dafür: Die Schäden, die die Robben den Fischern verursacht haben sollen. 1920 wurde die letzte Kegelrobbe auf Rügen abgeschossen. Der gesamte Robbenbestand in der Ostsee war dadurch auf zwei bis 3000 Tiere geschrumpft. Die Verschmutzung der Ostsee durch chemische Stoffe wie Polychlorierte Biphenyle und DDT - vor allem in den 1970er Jahren - sorgte für die weitere Dezimierung der Kegelrobben. 

Größtes frei lebendes Raubtier in Deutschland

Über die Jahrzehnte hatte sich der Bestand der Kegelrobben beispielsweise in Finnland und Schweden wieder erholt. In der deutschen Ostsee musste man länger darauf warten, bis sicher gesagt werden konnte, dass auch hier das größte deutsche Raubtier wieder heimisch war. Erst 2018 - nach der Sichtung von Robbenbabys - konnten Forscher sicher feststellen, dass sich die Tiere auch in der deutschen Ostsee wieder angesiedelt haben.  

Ein Kegelrobben-Junges auf der Düne.
© dpa
Spaziergänger sollten ihre Hunde von Robbenbabys fernhalten

Abstand halten zu Robbenbabys

Dadurch, dass der Robbenbestand an den Ostseestränden langsam wieder steigt, sind viele Spaziergänger unsicher im Umgang mit den Tieren. Wie nah darf man an das Tier heran? Muss man eine Aufzuchtstation für Seehunde kontaktieren, wenn wir einer jungen Robbe begegnen? Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz warnt davor, zu nah an die Jungtiere heranzugehen, weil die Elterntiere sich meist in der Nähe auf Futtersuche befinden. Wer den Lebensraum der Tiere stört, könnte dafür verantwortlich sein, dass die Eltern das Jungtier zurücklassen. Die Folge: Das Jungtier verhungert. 

"Auf jeden Fall ein Robbenbaby aus einem guten Abstand - 100 bis 200 Metern - beobachten. Auf gar keinen Fall näher herangehen an das Tier. Erst recht nicht, wenn sie einen kleinen Hund dabei haben, diesen auf das Tier loslassen oder mal eben schnüffeln lassen."
Henning von Nordheim, Bundesamt für Naturschutz

Die Einzigen, die die Rückkehr der Robben beunruhigt und die ihre Bedenken auch äußern, sind die Fischer vor Ort. Sie glauben, dass die Robben an die Netze gehen und sich an den Fängen bedienen könnten. Das sorgt in gewissem Maße auch die Naturschützer. Nicht, weil sie große Verluste aufseiten der Fischer erwarten. Sie fürchten, dass sich junge Robben in den Netzen verheddern und ertrinken könnten.  

Henning von Nordheim weist in diesem Zusammenhang auf die geringe Zahl der Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste hin. Im Greifswalder Bodden gibt es rund 25 Tiere und um Rügen herum circa 50. Auch deshalb glaubt er nicht, dass die Tiere mit den Fischern stark um deren Fänge konkurrieren werden. 

"In Schweden und in Finnland hat man robbensicheres Fanggeschirr entwickelt, indem Robben vom Fang ferngehalten werden, gleichzeitig aber auch verhindert wird, dass die Robben sich in Fanggeräten verheddern und selber ertrinken, was leider bei Jungtieren eine sehr verbreitete Todesursache ist."
Henning von Nordheim, Bundesamt für Naturschutz

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