Für ein Tempolimit gibt es zu wenige Schilder, sagt Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Der Industrieverband Straßenausstattung widerspricht und dann sind da noch ein paar inhaltliche Argumente.

Auf der ganzen Welt gibt es nur ein Land ohne allgemeines Tempolimit – Deutschland. Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert. Dem Freiheitsgefühl beim Rasen wird eine Reihe von Gegenargumenten untergeordnet. Dazu gehören: Sicherheit, Energieeinsparung, Verringerung der Lärmbelastung und so fort.

In einem Interview mit der Hamburger Morgenpost hat Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) nun ein neues Gegenargument eingeführt: fehlende Schilder. Für ein Tempolimit fehlten die Schilder.

"Diese Schilder sind innerhalb einer Woche hergestellt, aufgestellt."
Gregor Becker, Industrieverband Straßenausstattung

Gregor Becker widerspricht. Er ist Geschäftsführer des Industrieverbands Straßenausstattung. Die Schilder ließen sich in wenigen Tagen produzieren und aufstellen. Rund 15 Schilderfirmen gebe es hierzulande. Das sei eine leistungsfähige mittelständische Industrie. Er sagt: "Ich bin tatsächlich ihr Ansprechpartner."

Zu den Fachabteilungen seines Verbands gehören: Fahrbahnmarkierung, Verkehrssicherung, Verkehrszeichen und Rückhaltesysteme. Gregor Becker ist zusätzlich auch Leiter der Fachabteilung Verkehrszeichen.

Grundlos ohne Limit

Nach einigen Jahrzehnten der Diskussion könne sich eine Mehrheit der Bevölkerung und auch die Autoindustrie ein Tempolimit vorstellen, sagt Mobilitätsforscher Andreas Knie. Sogar eine Mehrheit der ADAC-Mitglieder sei dafür.

"Nordkorea, Albanien, oder Somalia, alle haben Tempolimits. Nur wir haben auf unseren Bundesautobahnen keins. Und es gibt keine Gründe."
Andreas Knie, Mobilitätsforscher

Einschränkend spricht Andreas Knie von sogenannten Ersatzgründen, die gegen ein Tempolimit aufgeführt werden – beispielsweise das Schilderargument von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). Andreas Knie sagt, er kenne keine Expertin, keinen Experten mit Zweifeln an den Vorteilen eines Tempolimits.

Tempolimit für den Verkehrsfluss

Der Mobilitätsforscher führt neben Sicherheit noch ein anderes Argument heran: den besseren Verkehrsfluss durch ein Tempolimit. Das hängt mit Sicherheitsabständen zusammen und Phantomstaus. Sie entstehen nur dann, wenn die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge zu weit auseinandergehen.

"Das Paradox heißt: Je schneller ich fahre, desto langsamer bin ich. Umgekehrt: Je langsamer ich fahre, desto schneller bin ich."
Andreas Knie, Mobilitätsforscher

Auch die Spriteinsparung sei ganz erheblich. Bei Tempo 100 ließen sich zehn bis 15 Prozent einsparen. Andreas Knie sieht im Klimawandel und im russische Angriff auf die Ukraine zwei ganz konkrete Gründe dafür, Menschen zu ermuntern, weniger Auto zu fahren, ein Tempolimit einzuführen, Tempo 30 in den Städten zu etablieren und ein oder zwei Sonntage im Monat generell nicht zu fahren. Schöne Aussichten sind das, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting.

"Schon wären wir in einer Welt mit weniger Verkehrstoten, saubererer Luft und dem Gefühl, der Klimakrise nicht hoffnungslos ausgeliefert zu sein."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter