Die Niederlande sicherte sich letztes Jahr den Sieg beim Eurovision Song Contest und sollten ihn ausrichten - was nun nicht geht. Deswegen ließ sie sich etwas einfallen: Nicht Künstler, sondern Künstliche Intelligenzen gehen dieses Jahr an den Start.

Fast 200 Millionen Menschen schauen jedes Jahr den Eurovision Song Contest. Das Riesen-Event muss dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Stattdessen sind viele digitale Events geplant. Eins davon: Der KI-Song-Contest. 13 Teams haben die von ihren Künstlichen Intelligenzen (KIs) erstellten Songs ins Rennen geschickt.

Ausgetragen wurde der Wettbewerb von der niederländischen Rundfunkanstalt VPRO. Die Gewinner stehen noch nicht fest.

Die Suche nach einer Hit-Formel

Der Contest soll die Frage klären, ob es für den perfekten Popsong tatsächlich eine Formel gibt, die KIs lernen und daraus Songs produzieren können.

Dafür haben die Teams ihren Algorithmen viele vorhandene ESC-Songs zum Lernen eingespielt. Die Algorithmen konnten so herausfiltern, welche Wörter und Akkordfolgen am häufigsten vorkommen.

"Bei dem KI-Contest soll es darum gehen, Musik zu erzeugen, die beim ESC tatsächlich gewinnen könnte."
Fridolin Menzel, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Mit den Ergebnissen dieser Analysen haben die KIs am Ende ein eigenes Musikstück komponiert. Einige Teams haben die Ergebnisse noch ein wenig verfeinert.

Andere haben sich dafür entschieden, das Ergebnis der KI für sich sprechen zu lassen: Zum Beispiel die deutschen Teilnehmer Ligatur, eine private Combo, mit ihrem Song "Offshore in Deep Water".

Hier kommt nur der Gesang vom Menschen und wurde minimal in der Tonhöhe angepasst, ansonsten wurde nichts nachträglich bearbeitet.

KI fehlt Kreativität

Vieles lässt sich den Algorithmen beibringen. Doch vor allem bei den Texten tut sich eine KI sehr schwer - dafür fehlt ihr die Kreativität.

Das zeigte schon ein Projekt der US-Kreativagentur "Space 150". Sie spielten ihrer Software die komplette Diskografie des US-Rappers Travis Scott ein.

Diese hat dann dann eigenständig den Song "Jack Park Canny Dope Man" geschrieben und aufgeführt. Das Ergebnis klingt zwar erstaunlich echt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Fridolin Menzel. Doch die Lyrics sind ziemlich sinnlos aneinandergereihte Worte ohne echten Zusammenhang.

Als Werkzeug kann KI funktionieren

Bisher kann eine KI den Entstehungsprozess von Musik also lediglich unterstützen. Denn die Maschine braucht Informationen, die ihr von Menschen zur Verfügung gestellt werden - eigenständig kann sie das nicht.

Als Werkzeug lässt sich die KI aber gut benutzen, sagt Fridolin Menzel. Zum Beispiel als Hilfe für Komponisten, die frische Inspiration brauchen und sich von der Software mal was vorschlagen lassen.