Der Abenteuerfilm "Mulan" wird direkt auf einer Streaming-Plattform veröffentlicht, statt im Kino anzulaufen. Was es für die Kinobranche bedeutet, wenn große Blockbuster direkt im Netz verfügbar sind, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Filmexpertin Anna Wollner.

In der Regel läuft ein Spielfilm erst einmal in den Kinos und wird danach auf Streaming-Plattformen und im Fernsehen zweitverwertet. Bei dem Live-Action-Remake "Mulan" läuft das jetzt aber anders. Disney wollte den Film zunächst Mitte März in die Kinos bringen. Dann wurde der Veröffentlichungstermin auf Mitte August verschoben. Letztendlich entschloss sich der Konzern dazu, den Film nur in China in die Kinos zu bringen und ihn ansonsten auf der eigenen Streamingplattform zu veröffentlichen.

"Mulan ist der Film im Bereich Familienunterhaltung, auf den die Kinos sehnsüchtig gewartet haben."
Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova

Die Kinos warten schon seit Monaten auf Filme wie "Mulan", die in die Kategorie Familienunterhaltung fallen. Den Film nicht zeigen zu können, ist möglicherweise der Anfang einer Entwicklung, die existenzbedrohend für die Lichtspielhäuser sein kann. Das Filmunternehmen Universal hat beispielsweise einen Vertrag abgeschlossen, der es dem Konzern erlaubt, einen Film 17 Tage nach der Veröffentlichung bereits auf einer Streaming-Plattform zu zeigen und auf DVD zu publizieren.

Besonders für kleinere Kinos ist das schlecht, weil sie die Filme erst bekommen, nachdem sie ein paar Wochen in großen Kinos gelaufen sind. Das heißt, die kleineren Kinos konkurrieren dann mit Streaming-Plattformen um ihr Publikum. Und oft ziehen sie dabei den Kürzeren. Viele von uns finden es bequemer und unkomplizierter, einen neuen Blockbuster auf der eignen Couch zu streamen, statt sich dafür auf den Weg ins Kino zu machen.

Kinos verlieren exklusiven Status

Wer ein Kino betreibt, wird nicht reich, schon allein deswegen nicht, weil in der Regel um die 43 Prozent des Gewinns an den Verleiher gehen. Bei alten Filmen sind es rund 38 Prozent, die Obergrenze liegt bei 50 Prozent der Einnahmen. Durch das knappe Zeitfenster, das beispielsweise Universal vereinbart hat, verlieren die Kinos ihren exklusiven Status.

Vor allem kleine Kinobetreiber machen ihren Job aus Leidenschaft und nicht in erster Linie, um damit viel Geld zu verdienen, sagt Anna Wollner. Wenn allerdings keine neuen Filme mehr in die Kinos kommen oder das Publikum wegbleibt, weil es den Film lieber streamt, ist das existenzgefährdend.

Viele Verleiher machen kaum noch Marketing

Durch die aktuelle Corona-Pandemie kommen zurzeit eher kleinere Filme in die Kinos. Die Verleiher machen aber kaum Marketing, weil niemand weiß, ob es sich lohnt, diese Filme zu zeigen. Die Saalausnutzung ist im Moment von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. "Ausverkauft" bedeutet aufgrund der Corona-Pandemie, dass nur 20 bis 25 Prozent des Kinosaals gefüllt sind.

Viele Kinos öffnen gerade erst wieder, weil der Spionage-Zeitreise-Thriller "Tenet" von Christopher Nolan angelaufen ist. Der Film gilt für die Branche als "Testballon", um zu sehen, ob es sich künftig lohnt, weitere große Blockbuster in die Kinos zu bringen.

"Das hat totale Auswirkungen, das ist existenzbedrohend für die Kinos."
Anna Wollner, Deutschlandfunk Nova