Die Pazifikinseln Kiribati sind besonders vom Klimawandel bedroht. So bedroht, dass ihr Präsident schon ein Stück Fidjschi-Insel hinzugekauft hat. Wenn es zu ernst wird, sollen die Bewohner umsiedeln. DRadio-Wissen-Reporterin Gönna Ketels hat Aktivistinnen und den Präsidenten des Inselstaats getroffen.

Gönna Ketels hat den besonders bedrohten Inselstaat Kiribati besucht. Ein Ort, an dem der Klimawandel realer ist, als an anderen. Auf der Insel werden seine Folgen sichtbar. Die Inselbewohner fühlen sich bedroht und haben Angst. Der steigende Meeresspiegel ist dabei noch das geringste Übel. Müllversorgungsprobleme, Überbevölkerung und Versalzung machen die Insel bald unbewohnbar.

Angst vor den King Tides

Auf Kiribati ist der Klimawandel kein düsteres Zukunftsszenario, sondern bereits im Alltag der Menschen angekommen. Die heftigen Sturmfluten, die King Tides, gab es früher nur selten. Inzwischen treffen sie aber jedes Jahr auf die Insel. Diesmal kam noch ein Zyklon dazu. Die Aktivistin Tinaai Teaua und die anderen Inselbewohner haben Angst vor dem was noch kommt.

Sandsäcke gegen das Meer: Tinaai Teaua engagiert sich auf Kiribati. Viele Inselbewohner haben bereits aufgegeben.

Das Leben in Tarawa, dem Regierungssitz von Kiribati ist jetzt schon schwer genug – und ungesund. Die Hauptinsel ist nämlich total überfüllt. Der Müll der 50.000 I-Kiribati - so nennen sich die Menschen hier - landet am Strand. Es gibt einfach nicht genug Platz. Angeblich sind Teile der Insel so dicht besiedelt wie Tokio. Und es wird jedes Jahr enger: Menschen von anderen Inseln ziehen hierher, in der Hoffnung auf Jobs und bessere Bildung für ihre Kinder.

Das Meer versalzt das Grundwasser

Die Bewohner von Kiribati sind arm. In den Dörfern nah am Wasser, wohnen die Ärmsten. Wenn eine Flut kommt, werden ihre Hütten als erste zerstört - und das Salzwasser raubt Lebensgrundlage. Das Salz tötet die Brotfruchtbäume - schwarz und tot stehen sie dann in der Landschaft. Es ist ein schleichender Tod durch Überflutungen. Langsam, aber sicher versalzt das Land und wird unbewohnbar.

"Klimawandel, schon das Wort löst bei mir permanent ein schlechtes Gewissen aus: Nicht so viel Auto fahren, weniger Fleisch essen… Denn sonst? Ja, was eigentlich? Dann höre ich von Kiribati - vielleicht einem der ersten Opfer unserer Klimasünden."
DRadio-Wissen-Reporterin Gönna Ketels

Der Untergang von Kiribati soll Prognosen zufolge frühestens in ein paar Jahrzehnten kommen. Trotzdem flüchten immer mehr Menschen - wenn sie können. Bis zu zwei Meter könnte der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts ansteigen. Dann wäre die Insel komplett geflutet.

"Es kümmert sie nicht genug, weil sie gar nicht wissen, was der Klimawandel ist. Aber weißt du, in so kleinen Ländern wie Kiribati haben wir doch keinen Einfluss auf die Emissionen - anders als die großen Länder."
Tinaai Teaua über die Einstellung der Inselbewohner zum Klimawandel.