Über 40 Grad im Sommer - an solche Temperaturen werden wir uns in Deutschland wohl künftig gewöhnen müssen. Je heißer der Sommer, desto attraktiver erscheint der Kauf einer Klimaanlage. Das Problem dabei: Klimaanlagen sorgen für einen vermehrten CO2-Ausstoß – was wiederum die Erde erwärmt.

2019 war wieder einer der heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, wie der Deutsche Wetterdienst heute (30.08.) bekannt gab. Erstmals überschritten die Temperaturen die 42 Grad-Marke in Deutschland. Angesichts dieser zunehmenden Temperatur-Rekorde werden Klimaanlagen gebräuchlicher, sagt unsere Reporterin Rahel Klein. Deshalb werde verstärkt nach klimafreundlichen Möglichkeiten gesucht, die Wohnungen in so heißen Sommern kühl zu halten.

"Die Internationale Energieagentur schätzt, dass rund zehn Prozent des weltweiten Stromverbrauchs für Klimaanlagen und Ventilatoren verwendet werden."
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Klimaanlagen verbrauchen grundsätzlich viel Energie: Rund 10 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs gehen schätzungsweise auf Klimaanlagen und Ventilatoren zurück. "Und da der meiste Strom weltweit immer noch aus fossilen Brennstoffen stammt, wird dadurch natürlich viel CO2 ausgestoßen", so Rahel Klein.

Klimaanlagen sind Stromfresser

In Deutschland sind das nach Schätzungen des Umweltbundesamtes etwa 5 bis 6 Millionen Tonnen CO2 - also unter einem Prozent der deutschen Gesamtemissionen. Das mag wenig klingen - ist es aber nicht. Zum Vergleich: Der gesamte Flugverkehr macht laut Bundesumweltamt zum Beispiel auch "nur" 3 Prozent der Gesamtemissionen weltweit aus. Zudem gehen Forscher davon aus, dass die Zahl der Klimageräte bis 2050 deutlich steigen wird.

Um die CO2-Bilanz einer Klimaanlage zu verbessern, könnte man diese nun beispielsweise mit Ökostrom betreiben, meint unsere Reporterin. Oder vielleicht auch mit eigenem Solarstrom, der bei Sonne die Klimaanlage betreibt.

Eine zusätzliche Idee: Die Kältemittel der Klimaanlage austauschen. Denn die haben eine sehr schlechte Klimabilanz, wie Daniel de Graaf vom Umweltbundesamt sagt.

"Ein Kilogramm dieses Kältemittels in die Atmosphäre emittiert macht genauso viel Treibhauswirkung wie gut zwei Tonnen CO2."
Daniel de Graaf, Umweltbundesamt

Der Haken dabei: Alternativen mit deutlich niedrigerem Treibhauspotential - etwa Klimaanlagen, die mit Propan betrieben werden - sind im europäischen Markt noch nicht so weit verbreitet.

Mit Grundwasser kühlen

Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie setzen noch auf eine andere Methode: Eine "Aquifer-Speicherung" - das ist eine Speicherung von Wärme in natürlich vorkommenden Grundwasserreservoirs. "Dabei nutzt man eine Gesteinsschicht im Boden, in vielen Metern Tiefe, durch die Grundwasser läuft", sagt Rahel Klein.

Paul Fleuchaus vom Karlsruher Institut sagt, diese Methode werde derzeit vor allem in den Niederlanden eingesetzt. Sie lohne sich vorwiegend bei großen Gebäuden. Und so ließen sich 50 bis 90 Prozent CO2 einsparen. Man könne sich das Ganze vorstellen wie eine "große Wärme- und Kältebatterie im Untergrund".

"Warmes Wasser wird im Winter an die Oberfläche gepumpt, in einen Wärmetauscher geleitet und dann für die Beheizung des Gebäudes verwendet. [...] Die überschüssige Kälte, die dabei anfällt, wird anschließend wieder zurück in den Grundwasserleiter gepumpt. Und einige Monate später, nämlich im Sommer, wird diese Kälte dann wieder an die Oberfläche gepumpt, und kann dann für die Klimatisierung verwendet werden."
Paul Fleuchaus, Karlsruher Institut für Technologie

Vielleicht ist das noch Zukunftsmusik. Doch es gibt auch viele einfache Tipps und Methoden, Hitze aus der Wohnung zu halten:

  • Tagsüber die Rolläden und Jalousien schließen
  • Lüften nur morgens und abends, wenn die Luft kühler ist
  • Eine gute Dämmung am Haus verwenden
  • Häuser begrünen

Gerade die Begrünung von Städten, Hauswänden oder Dächern hat einen messbaren Effekt, sagt Daniel de Graaf. Pflanzen können Hauswände und Dächer dämmen und gleichzeitig kühlen. Und sie sind sogar gut fürs Klima. Das nennen wir dann Win-Win.

"Es ist viel besser, ein begrüntes Dach zu haben als ein unbegrüntes, das sich sehr stark aufheizen kann. Und auch die Fassadenbegrünung verschattet zum einen das Gebäude, die Fassade heizt sich nicht auf. Und Sie haben zusätzlich eine kühlende Wirkung durch die Pflanzen, die nämlich Wasser verdunsten."
Daniel de Graaf, Umweltbundesamt