Unsere Städte heizen sich im Sommer extrem auf. Asphalt und Beton speichern die Wärme und kühlen nachts kaum ab. In Thüringen wird getestet, wie Stadtplaner für angenehmere Temperaturen sorgen können.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund von den Grünen will ab 2020 jährlich acht Millionen Euro in das Programm Klimainvest stecken. Mit dem Geld sollen die Städte an das veränderte Klima angepasst und die Temperaturen um einige Grad verringert werden. Bei dem Programm geht es darum, Städte Hitze-belastbarer zu machen, sagt Dlf-Korrespondent Henry Bernhard in Erfurt. 

"Man kann mit den richtigen Maßnahmen drei bis fünf Grad Absenkungen erreichen, was eine Menge ist."
Henry Bernhard, Dlf-Korrespondent in Erfurt

Das Programm setzt grundsätzlich an und wird für akute Hitzewellen noch keine Erleichterungen bringen. Langfristig sollen Städte anders gedacht und geplant werden, denn in den Städten ist die Temperatur immer höher als auf dem Land – Beton und Asphalt speichern die Wärme. Der Temperaturunterschied zwischen Land und Stadt kann bis zu zehn Grad betragen. 

Klimawandel in Stadtplanung einbeziehen

Die TU Dresden und FH Erfurt forschen drei Jahren lang mit den Umweltämtern vor Ort. Fragen, mit denen sich die Wissenschaftler beschäftigen: Wie kann man Häuser kühlen ohne zusätzlichen Energieeinsatz und wie kühlt man eine aufgeheizte Stadt? Schneisen in der Stadt sorgen beispielsweise dafür, dass die Hitze aus der Stadt abziehen und kühlere Luft hineinströmen kann. 

Eine weitere Hitzequelle in der Stadt ist die Versiegelung von Plätzen. Überall dort wo Asphalt und Beton ist, wird Wärme gespeichert, die selbst in der Nacht noch abgegeben wird.

"Bäume sind zentraler Teil der Entschärfung des Hitzeproblems, weil sie Schatten und Verdunstungskälte erzeugen."
Henry Bernhard, Dlf-Korrespondent in Erfurt

Bäume sind wichtig in der Stadt im Kampf gegen Hitze, weil sie Schatten bieten und ihre Verdunstung für Abkühlung sorgt. Deshalb wird gerade geforscht, welche Bäume es noch in unseren Städten aushalten, denn Stadtklima ist ein Extremklima. Weil es sehr heiß und trocken sein kann, wird derzeit getestet, wie sich Bäume aus dem Kaukasus in unseren Städten wohlfühlen. Die Erhaltung von Rasenflächen ist eine weitere Maßnahme, weil sie den Bäumen helfen in der Stadt zu überleben.

Die Hitze soll in die Planung als Dauerphänomen miteinbezogen werden. Dächer begrünen oder helle Straßenbeläge aufzubringen sind Maßnahmen, die kurzfristig helfen. Aber es geht darum, in den Städten dauerhaft die Temperaturen abzusenken.

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Ein weiterer Schwerpunkt sind die Häuser an sich. Gebäude können schon durch den Einsatz von Jalousien kühler gehalten werden, weil dann die Wärme erst gar nicht reinkommt. Wand- und Dachbegrünung sind relativ einfach umzusetzen und haben einen großen Effekt, sagt Henry. Durch die Begrünung heizen sich die Wände erst gar nicht auf und es ist tags- und nachtsüber kühler.

Bewohner als Experten

Noch forschen die Wissenschaftler nach den geeigneten Maßnahmen und befragen dazu auch die Anwohner in einem Neubauviertel in Dresden und in einem Gründerzeitviertel in Erfurt, worunter sie am meisten leiden und welche Maßnahmen sie ergreifen, wenn es ihnen zu heiß wird. 

Der Projektleiterin Heidi Sinning von der FH Erfurt kommt die derzeitige Hitzewelle gelegen, weil die Bereitschaft der Bewohner gerade besonders groß ist, mitzumachen und sie viel zum Thema Hitze und Abkühlung zu sagen haben. 

"Fehlender Schatten und fehlende Bäume führen dazu, dass sich Leute aus der Öffentlichkeit zurückziehen – gerade ältere oder kranke Leute gehen nicht mehr raus. Hitze sorgt für Vereinsamung."
Henry Bernhard, DLF-Korrespondent in Erfurt

Fehlender Schatten und fehlende Bäume sind besonders für ältere und kranke Menschen ein Problem. Sie ziehen sich dann aus der Öffentlichkeit zurück. "Hitze sorgt auch für Vereinsamung", sagt unser Korrespondent. Tatsächlich ist es so, dass vor allem Ältere und Kranke unter Hitzewellen leiden. Während des Jahrhundertsommers 2003 gab es in Europa 35.000 mehr Sterbefälle als sonst in vergleichbaren Zeiträumen. Dabei geht es nicht um Hitzetote, sagt Henry, sondern um Sterbefälle, bei denen sich erst im Nachhinein feststellen lässt, dass sie im Zusammenhang mit der Hitzewelle stehen.

Arme Ältere sterben eher bei Hitze in Städten

Dabei "stirbt man nach sozialer Ordnung", sagt Henry. Bei einer Untersuchung in Sidney wurde festgestellt, dass Temperaturunterschiede von zehn Grad in der Stadt herrschen, je nach Stadtviertel. In den heißeren Stadtvierteln war die Sterberate unter der älteren Bevölkerung um das Dreifache höher als in den kühleren.

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