Wenn es um den Klimawandel geht, sieht der Biologe Ernst Ulrich von Weizsäcker auch westeuropäische Bürger in der Verantwortung: Immer wieder würden wir Politiker wählen, die sich nicht genug dagegen einsetzten.

Der Nachhaltigkeitsforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker spricht nicht nur von einem Klimawandel oder einer Erderwärmung. Er bezeichnet das weltweite Phänomen als Klimakatastrophe. Kritik übt er insbesondere an Politikern westeuropäischer Demokratien. Aber auch an uns, den Wählern, die diese Politiker immer wieder wählen. Dadurch passiert aus der Sicht des Nachhaltigkeitsforschers schlicht zu wenig zu langsam, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

"Man wird wiedergewählt, wenn man diesen Quatsch weitermacht."
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Biologe und Nachhaltigkeitsforscher

Wir sind stolz darauf, alles in der Hand zu haben und die Erde zu beherrschen, so der Nachhaltigkeitsforscher. Die ewige Gier nach immer mehr Wachstum sei der einzige Reflex, der noch funktioniere. Das so geprägte Denken führe jedoch in die falsche Richtung.

Von Weizsäcker: Kapitalismus und Wachstumsdenken überholt

Als die Erde noch nicht überbevölkert gewesen war, sei die Lehre vom Wachstum laut Ernst Ulrich von Weizsäckers Einschätzung noch völlig in Ordnung gewesen. Wachstum und Kapitalismus seien in jener alten Welt erfunden worden. Doch genau diese Mechanismen dürften heutzutage nicht mehr angewandt werden.

"Wir dürfen das Anthropozän nicht feiern. Wir müssen es verfluchen."
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Biologe und Nachhaltigkeitsforscher

Der Mensch in unserem Zeitalter, dem Anthropozän, habe nicht verstanden, wie real die Gefahr in den Klimamodellen schon jetzt zu erkennen sei.

Etwas Hoffnung macht dem Klimaforscher aber dennoch die Entwicklung seit 2018. Erst ab dann hätten die Menschen zum Beispiel sterbende Bäume, Waldbrände oder auch Greta Thunberg mit ihren Kampagnen wahrgenommen und das heraufziehende Desaster zumindest etwas ernster genommen.

Der Vortrag

Ernst Ulrich von Weizsäcker ist nicht nur renommierter Biologe und Nachhaltigkeitsforscher, sondern war auch Co-Vorsitzender des "Club of Rome", einer internationalen Vereinigung führender Experten zur Entwicklung der Erde. Von 2012 bis 2018 und saß er als SPD-Politiker im Deutschen Bundestag.

"Wir sind dran. Warum es einer Aufklärung 2.0 bedarf" lautete der Titel seinen Vortrags – zusammen mit anderen Autoren hat er unter diesem Titel auch ein Buch verfasst.

Gehalten hat er den Vortrag am 16. Januar 2020 als Keynote der Veranstaltung "Aufklärung 2.0", eines Aktionstags der Hochschule Koblenz gemeinsam mit kooperierende Hochschulen und der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. Einen Tag lang wurden dabei Vorträge und Panels angeboten, um vor allem mit der jungen Generation über Klima und Nachhaltigkeit ins Gespräch zu kommen.

Ein weiterer Vortrag aus dieser Vortragsreihe lief am 07.06.2020 im Hörsaal: "Natur im Stress - Wälder, Böden und Meere vor dem Burnout"