Wenn Forschende uralten Kot untersuchen, dann nicht nur, um etwas über frühere Zeiten zu erfahren, sondern auch, um mehr über heutige Darmkrankheiten zu lernen. Bisher war es aber kaum möglich, menschlichen Kot von dem der Hunde zu unterscheiden.

Die Untersuchung von Kotsteinen ist wissenschaftlich interessant, da sich so analysieren lässt, welche Pflanzen in bestimmten Regionen wuchsen, was Menschen und Tiere damals aßen oder auch welche Krankheiten und Parasiten die Menschen hatten.

Vor allem aber kann die Untersuchung, wie sich die Darmflora des Menschen über Jahrtausende hinweg verändert hat, helfen, Nahrungsmittel-Intoleranzen oder Diabetes besser zu verstehen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Aglaia Dane.

"So lässt sich eben auch nachvollziehen, wie sich die menschliche Darmflora im Laufe der Jahrtausende verändert hat."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Unterscheidung von Hunde- und Menschenkot

Bisher taten sich Forschende allerdings schwer damit, jahrtausendalten menschlichen Kot von dem von Hunden zu unterscheiden. Das liegt daran, dass Größe und Form und auch die Zusammensetzung der Kotsteine sehr ähnlich sind.

Fünf Koststeine liegen neben einem Lineal
© Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Ein Teil der untersuchten Kotsteine des Forschungsteams

Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen und Hunde wohl schon zusammengelebt haben, bevor die Menschen sesshaft wurden. Sie fingen also schon vor tausenden von Jahren damit an, Wölfe zu zähmen und als Haustiere zu halten. Die Exkremente wurden deshalb oft an den gleichen Stellen gefunden.

"Wenn Forschende Kotsteine finden, dann sind sie oft nicht sicher, ob es sich um tausende Jahre alte Exkremente von Menschen oder von Hunden handelt."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch eine DNA-Analyse konnte hierbei nicht helfen, da die Forschenden bei einer herkömmlichen Analyse in den Funden sowohl menschliche als auch Hunde-DNA fanden. Das liegt vermutlich daran, dass Menschen die Hunde damals oft aßen, Hunde wiederum wohl oft menschliche Fäkalien fraßen. Eine Differenzierung war danach also kaum noch möglich.

Die DNA von Viren und Bakterien

Zwei Forscherinnen und ihrem internationalen Team des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena gelang nun erstmals eine Unterscheidung der Koprolithen: Das Team hat mit einer Software nicht nur die Wirts-DNA von Hunden und Menschen, sondern auch die DNA der im Kot gefundenen Bakterien und Viren abgeglichen.

Abgleichen des Mikrobioms

Die Idee der Forscherinnen: Die Gesamtheit aller Bakterien im Darm, das Mikrobiom, ist bei Menschen und Hunden deutlich zu unterscheiden. Deshalb wurde bei dieser neuen Methode das Mikrobiom des Darms untersucht. Durch das Abgleichen der gefundenen Wirts-DNA und das Abgleichen des Mikrobioms konnten die Forscherinnen deutlich besser erkennen, ob es sich um Kot eines Menschen oder eines Hundes handelte.

"Das Abgleichen von gefundener Wirts-DNA und Mikrobiom macht ein Urteil sicherer, ob es sich Kot vom Hund oder vom Menschen handelt."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dabei fanden die Forschenden heraus, dass ein großer Teil der Koprolithen-Funde von Hunden stammt. In Zukunft wollen die Forschenden ihre Software mit immer weiteren Daten füttern, um ihre Methode und die Ergebnisse zu präzisieren.