Korallen kennen wir bunt gefärbt und wild geformt. Sie gehören zu den ältesten Tieren der Erdgeschichte. Als Knotenpunkte in einem Netzwerk sichern sie die Artenvielfalt der Meere – aber sie sind bedroht. Was das für sie und letztlich uns bedeutet, erklärt Meeresbiologin Antje Boetius in ihrem Vortrag.

Ein Drittel aller bekannten Arten der Lebewesen des Meeres hängen von Korallenriffen ab. Fische nutzen sie als Laichplätze, es leben Bakterien, Schwämme und Würmer in ihnen. Durch Kalkausscheidungen haben Korallen über Jahrhunderte hinweg riesige Riffe gebaut. Sie sind höher als von Menschen erbaute Gebäude und auch stabiler.

Korallenriffe als Netzwerke sind essentiell für das Ökosystem Meer

Korallenriffe sind ein Netzwerk des Lebens. Genauer genommen sind sie Knotenpunkte in einem komplizierten Netz von Wechselwirkungen und Abhängigkeiten. Je mehr wir das Leben auf unserem Planeten erforschen, desto deutlicher wird, dass solche Netzwerke für alle Lebensformen eine entscheidende Rolle spielen. Korallen sind nur eins von vielen Beispielen für diese Art gegenseitiger Abhängigkeit.

"Durch Netze gewinnt man große Flexibilität und Widerstandsfähigkeit, indem Knotenpunkte und Fäden immer wieder zueinander vernetzt sind. Aber was, wenn Löcher in die Netze geschnitten werden?"
Antje Boetius, Meeresbiologin

Die Meeresbiologin Antje Boetius hat dem Thema Netzwerke eine ganze Vortragsreihe gewidmet. Antje Boetius ist eine der bekanntesten und wichtigsten Tiefseeforscher*innen weltweit. In ihrem Eröffnungsvortrag erklärt sie, wie wichtig Netzwerke zum Verständnis des Lebens sind. Netzwerke machen Ökosysteme widerstandsfähig und zugleich flexibel. Sie sorgen dafür, dass sich Leben an unterschiedliche Bedingungen anpassen kann.

Doch je stärker und heftiger Menschen in diese Netzwerke eingreifen, desto fragiler werden sie. Umweltgifte oder Erderwärmung reißen riesige Löcher. So werden nicht nur einzelne Arten gefährdet, sondern ganze Systeme.

"Man kennt keine Menschen, die Korallenriffe hassen. Aber unser gemeinsames Handeln führt dazu, dass zum Ende dieses Jahrhunderts 99 Prozent der Korallenriffe ausgebleicht sein werden und verschwinden."
Antje Boetius, Meeresbiologin

Antje Boetius hat die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2022 inne. In diesem Rahmen hat sie ihren Vortrag am 26. April 2022 an der Universität Mainz gehalten. Er ist der Eröffnungsvortrag der von ihr konzipierten Vorlesungsreihe "Mensch und Natur - Die Netzwerke des Lebens". Der Titel des Vortrages lautet "Netzwerke des Lebens: Einführung in die Wunder der Lebensvielfalt".