Mehrere Dutzend Tote und etwa 2800 Verletzte melden die Behörden in Gaza. Das Rote Kreuz sagt: Die Situation ist extrem angespannt - die Krankenhäuser sind total überlastet und überfüllt.

Die Lage ist extrem: Krankhäuser in Gaza arbeiten auch normal schon unter angespannten Bedingungen. So viele Verletzte wie zurzeit überfordern das System. Wobei auch jedes andere Krankenhaus in Europa kaum mit den vielen Patienten klarkommen würde, sagt Alyona Synenko vom Roten Kreuz, die gerade im Gazastreifen in einem der größten Krankenhäuser arbeitet.

"Die Krankenhäuser sortieren die Patienten: Wer ist am schlimmsten verletzt? Wer nicht so stark verwundet ist, muss warten."
Alyona Synenko, Rotes Kreuz

Die Mitarbeiter vor Ort müssen also schwierige Entscheidungen treffen. Wem helfen sie zuerst, wer muss warten. Hinzu kommt der schlechte Zustand des Gesundheitssystems in Gaza. Im März hat die WHO schon davor gewarnt, dass mittlerweile 40 Prozent der wichtigsten Medikamente aufgebraucht sind. Und dazu kommt, dass das Equipment in den Krankenhäusern völlig veraltet ist, sagt Alyona vom Roten Kreuz. Denn es gibt starke Einschränkungen, was überhaupt nach Gaza importiert werden darf. 

Kaum Strom, wenig Medikamte und zu viele Verletzte

Was die Lage noch zusätzlich erschwert und gefährlich macht: Es kommt regelmäßig zu Stromausfällen. Manchmal haben Krankenhäuer nur vier Stunden lang Strom pro Tag, sagt Alyona. Selbst Notstromaggregate helfen da nicht: Die WHO hat im März davor gewarnt, dass der Sprit für die Generatoren nur noch wenige Monate reicht. Und Notstrom ist eigentlich keine gute Alternative zum richtigen Strom, denn es dauert manchmal sehr lange, bis bei einem Stromausfall die Generatoren anspringen. 

"Komplizierte Krankheiten können in Gaza eigentlich nicht behandelt werden. Dafür müssen Patienten Gaza verlassen und ins Westjordanland oder nach Israel. Aber das ist teilweise sehr schwierig, denn wer Gaza verlassen darf, darüber entscheiden israelische Behörden."
Timo Nicolas, Deutschlandfunk Nova

Ohne die Hilfe von NGO oder der WHO wäre die Lage noch schlechter. Komplizierte Krankheiten wie Krebs können in Gaza nicht behandelt werden. Doch wer ausreisen darf und wer nicht, darüber entscheiden israelische Behörden. Und die erteilen immer seltener Genehmigungen. 2012 wurden 90 Prozent der Anträge genehmigt. 2017 waren es nur noch 54 Prozent. Und das hat schwerwiegende Folgen: 54 Palästinenser seien vergangenes Jahr gestorben, während sie auf ihre Ausreisegenehmigung gewartet haben, sagt die WHO.

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