Während die USA heute ihre Botschaft offiziell nach Jerusalem verlegt haben, gab es Ausschreitungen im Gazastreifen - mit Toten und Verletzten.

Ein Tag krasser Gegensätze: auf der einen Seite heftige Ausschreitungen im Gazastreifen, auf der anderen Seite die feierliche Eröffnung der US-amerikanischen Botschaft in Jerusalem.

"Es hat mich überrascht, wie heftig dieser Tag ablief."
Benjamin Hammer, Korrespondent in Israel

Unser Korrespondent Benjamin Hammer war noch in der vergangenen Woche im Gazastreifen unterwegs und hatte darüber berichtet, dass die Zahlen der Teilnehmer an den Protesten in den vergangenen Wochen gesunken waren. Heute (14.05.) allerdings eskalierten die Proteste an der Grenze zu Israel.

Die israelische Armee hatte zuvor in der Nacht noch Flugblätter an der Grenze verteilen lassen auf denen stand: "Nähert euch nicht dem Grenzzaun, sonst riskiert ihr euer Leben." Viele Palästinenser haben diese Flugblätter aber nicht beachtet und sind heute trotzdem zum Grenzzaun gezogen. Mit Steinen und Brandsätzen, die sie Richtung Israel schleuderten, zeigten sie ihren Ärger über die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem.

Ausschreitungen im Gazastreifen, die an den letzten Krieg erinnern

Vom israelischen Militär folgte daraufhin eine Antwort mit scharfer Munition - manche bezeichnen die Reaktion als unverhältnismäßig. Das Ergebnis: über 50 Tote und mehrere hundert Verletzte auf der palästinensischen Seite. "An einem einzelnen Tag ist das die höchste Zahl getöteter Palästinenser im Gazastreifen seit Ende des letzten Krieges im Jahr 2014", berichtet unser Korrespondent.

Auf der anderen Seite die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem, mit festlich gekleideten Gästen - unter anderem auch Ivanka Trump, die Tochter des amerikanischen Präsidenten und ihr Mann Jared Kushner. 

"Deutschland zum Beispiel wird seine Botschaft noch auf lange Zeit in Tel Aviv lassen. Man sagt: Wir ziehen erst dann nach Jerusalem, wenn es eine Einigung gibt zwischen Israelis und Palästinensern, was den Grenzverlauf angeht."
Benjamin Hammer, Korrespondent in Israel

Das Problem: Sowohl die Palästinenser als auch die Israelis erheben Ansprüche auf Jerusalem. Wobei Israel Jerusalem komplett für sich als Hauptstadt haben möchte. Die Muslime sollen friedlich zum Beten kommen dürfen, darüber hinaus beansprucht Israel die komplette Stadt für sich. Die Palästinenser hingegen beanspruchen Ostjerusalem.

Diesen Streit gibt es schon lange. Und weil keine Lösung in Aussicht steht, haben die meisten Länder ihre Botschaften in Tel Aviv. Benjamin Hammer sagt, die deutsche Botschaft werde noch auf sehr lange Zeit in Tel Aviv bleiben, um nicht zusätzliches Öl in den lodernden Konflikt zu gießen. Genau das, was die USA heute mit ihrer Botschaftsverlegung getan haben.

Das Gespräch haben wir um 18:30 Uhr geführt. Aktuelle Informationen findet ihr auf Dlf 24.

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