Die kroatische Fankultur ist gewaltig nach rechts gerückt. Darüber haben wir mit einem Nationalismusforscher gesprochen, der selbst gebürtiger Kroate ist.

Die kroatische Nationalmannschaft ist zum zweiten Mal überhaupt in ein WM-Halbfinale eingezogen und nun (Stand 11. Juli) im Finale angekommen. Die Fans des Teams feiern mit der Nationalfahne – rot-weißes Schachbrettmuster (unser Bild) – aber auch mit Symbolen des faschistischen Ustascha-Regimes. In Kroatien sind sie verboten. Der Fahne wird beispielsweise der Buchstabe U hinzugefügt. Die mit deutscher Hilfe etablierte Ustascha-Diktatur organisierte den Massenmord an Serben, Juden, Roma und politischen Gegnern.

Ein weiteres symbolisches Detail: Die offizielle kroatische Fahne fängt links oben mit einem roten Kästchen an, die Fahne des Ustascha-Regimes mit einem weißen.

"Es hat mit einer weitgehenden Banalisierung von Totalitarismus und faschistischem Gedankengut in Kroatien zu tun. Das ist auch Teil von Jugendkulturen."

Die Ustaschaideologie und mit ihr auch die Symbole erlebte seit dem Zerfall Jugoslawiens zu Beginn der 90er Jahre in Kroatien eine hässliche Renaissance. Im Fußball wird sie von verschiedenen Akteuren ganz offen zur Schau gestellt – nicht nur durch Fanausstattung. Der Fussballtrainer Josip Šimunić heizte die Fans im November 2013 nach einem erfolgreichen Spiel gegen Island mit dem Ustascha-Gruß an. Er rief: "Za dom" und das Stadion antwortete: "Spremni". Das bedeutet: Für die Heimat – bereit. Dieser Spruch ist vergleichbar mit dem Hitlergruß während der NS-Herrschaft.

Gründung Jugoslawiens als Tragödie

Dario Brentin erklärt die Begeisterung für Ustaschasymbole und die nationalistische Ideologie durch den letztlich nostalgischen Gedanken, dass vor der Gründung des sozialistischen Vielvölkerstaates Jugoslawien 1943 die Lage der Kroaten besser gewesen sei. Die Gründung der Jugoslawischen Republik verstehen heutige kroatische Nationalisten als großes Unglück.

"Es gibt vor allem in der kroatischen Diaspora-Gemeinde eine weitverbreitete Überzeugung, dass das sozialistische Jugoslawien die tatsächliche Tragödie des kroatischen Volkes gewesen ist."

Dario hat eine Radikalisierung der Mitte beobachtet, die faschistische Symbole zur Normalität macht, statt sie zu problematisieren. So werden die Ustascha-Slogans und Zeichen zum Teil des ganz normalen Meinungsspektrums und als ganz normaler Standpunkt verstanden.

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